Die U-Bahn-Linie 4 in Hamburg
vorherige Planungs-Varianten

Geplant war eine Erweiterung des Hamburger Hochbahnnetzes unter dem Signal "U4" in den 1970-er Jahren in der Relation Lurup - Bahrenfeld Trabrennbahn - Ottensen - Bahnhof Altona - Millerntor (oder Feldstraße) - Große Bleichen - Jungfernstieg - Hauptbahnhof Nord - Lange Reihe - Mundsburger Brücke - Winterhuder Weg - Borgweg - durch den Stadtpark und die sog. City-Nord zur Station "Sengelmannstr.", wo sie an die bestehende U1 nach Norderstedt anschließen sollte. 

Bei den Stationen "Jungfernstieg" und "Hauptbahnhof-Nord" der Linie U2 und der Station "Sengelmannstr." der Linie U1 wurden vorsorglich bereits viergleisige Verzweigungsstationen gebaut, die aber seit Jahrzehnten nur zweigleisig betrieben werden, weil es mit der U4 in Hamburg bisher so wenig klappt, wie mit der Linie durch die 2. Avenue in New York. Diese Route der U4 scheint ja wohl erst einmal gestorben zu sein. Sie taucht in den aktuellen Diskussionen schon oft unter der optimistischen neuen Bezeichnung "U5" auf, wenn man noch glaubt, dass diese Linie je gebaut wird.. 

Zwischendurch gab es eine Planung Bramfeld - Barmbek (auf die Strecke Barmbek - Habichtstr. aufmündend) - dann wie die U3 über Mundsburg und Berliner Tor und z.B. bei Rathaus ausmündend und in kurzem Bogen (mögliche Haltestelle bei der jetzt ziemlich abseits liegenden Katharinenkirche ?) zur Hafen-City. Diese Planung ist immer noch besser als die jetzt beschlossene Lösung und hat eine gewisse städtebauliche Logik

Neben der von mir beschriebenen Lösung einer Verlängerung der U1 von Jungfernstieg aus nach Süden gibt es den Vorschlag einer Ausfädelung der Linie aus der einmal viergleisig vorgesehenen Haltestelle "Messberg" nach Westen und von dort aus in die Hafen-City. Damit wäre die Hafen-City gut an den Hauptbahnhof angebunden und eine solche Linie zu bauen wäre immer noch besser als die jetzt favorisierte Lösung. Dabei wäre die Relation Hafen -City - Jungfernstieg alternativ zu bedienen - auch das eine weitere Chance für eine Stadtbahn? 

Durch die fortgeschrittenen Bauarbeiten sind jetzt (November 2009) diese Überlegungen natürlich durch die Faktenlage überholt. Ich lasse diesen Text aber trotzdem hier stehen um zu zeigen, dass es statt dieser absurden U-Bahnkurve der jetzt bis 2011 oder 2012 im Bau befindlichen U4 durchaus andere Möglichkeiten gab.

Nach den neuen Planungen ab Ende 2006 soll die U 4 in der ersten Etappe zur Hafen-City gebaut werden. Dafür ist eine Ausfädelung aus der U2-Station "Jungfernstieg" Richtung Westen geplant. Dann soll die neue U4 in weitem Bogen bis ungefähr zum Baumwall unter der südöstlichen Neustadt ohne Zwischenhalt die Hafen-City erreichen. Noch nicht einmal der Springer-Verlag konnte erreichen, dass an der Kaiser-Wilhelm-Str. ein Stopp vorgesehen wurde. Das Ganze soll schlappe 298 Millionen Euro kosten. Wo die neue U4 im Osten enden soll, ist offenbar noch nicht so exakt definiert. Wenn sie sich am Berliner Tor von der U2 lösen soll, um der U3 über Barmbek nach Bramfeld zu folgen, bedingt das natürlich eine endlose Weichenstellerei. Doch offenbar ist einfach eine Verstärkung der U2 bis Billstedt geplant.

Als ich von diesem Monster-Bogen zum ersten Mal las, sträubten sich mir die Haare. Nun sind ja weit ausholende Bogen ohne Zwischenstationen für die  Hochbahn-Linien in Hamburg nicht unbekannt. Die verfehlte Einmündung der Walddörfer-Bahn mit dem weiten Bogen von "Habichtstr." nach "Barmbek" wurde im Grunde ja auch erst mit dem Bau der U1 über Wandsbek korrigiert. Seit 1921 hören die Anwohner der Fuhlsbüttler Str. die Hochbahn vor ihren Fenstern vorbeifahren, ohne dass die Bahn ihnen mehr bringt als Lärm (und vielleicht ein paar Photos der Hochbahn-Wagen vom Balkon).  

Nach dem Planfestellungsbeschluss vom 15.09.2006 (Az.: 764.200-2/1) in Punkt 2.3 auf Seite 42 ist die als Alternative untersuchte Variante 2 (Ausfädelung Jungfernstieg U1 nach Süden) auch deshalb verworfen worden, weil der Hauptbahnhof nicht ohne Umsteigen zu erreichen ist. Ja und? Nicht bei jeder Reise kann ich erwarten, ohne Umsteigen zum Ziel zu kommen. Die Bewohner suchen wohl eher den Kontakt zur City, als dass sie jedesmal eine Bahnreise antreten wollen. Doch war die direkte Fahrt zum Hauptbahnhof eine conditio sine qua non bei der Planfeststellung.

Weiteres Argument für die Ablehnung einer solchen Veränderung der U1 ist die Angabe, die neue Hafen-City wäre dann nur durch eine Haltestelle (am Überseezentrum) zu erschließen. Die Strecke über der Straße "Bei St. Annen" und parallel zum Magdeburger Hafen verlängert bedingt nach der Haltestelle "Überseequartier" (dann in Nord-Süd-Richtung gelegen) für eine Fortsetzung nach etwa Südosten eine Kurve von lediglich ca. 60°.  Man sollte allerdings so planen, dass man nicht gerade dort auch ein Gebäude hinsetzen will.  Doch kurz vor oder nach der Haltestelle ist diese Kurve natürlich auch nur mit verminderter Geschwindigkeit zu befahren, so dass ihr Radius geringer sein kann.

Außerdem wird die Leistungsfähigkeit der Haltestelle Jungfernstieg als Abzweigstation bezweifelt. Das ist sicher richtig - ein Ausbau mindestens auf drei Gleise gehört selbstverständlich zu dieser Baumaßnahme, wurde aber im Planfeststellungsbeschluss nicht beschrieben. In der lakonischen Kürze der Begründung der Ablehnung dieser Alternative kann man eigentlich nur vermuten, dass nicht sein soll, was nicht sein darf.  

Wenn Hamburg kein Geld aus dem Fenster werfen will, dann wäre doch eine Renaissance der Straßenbahn (neudeutsch auch "Stadtbahn" genannt) durchaus zu erwägen, um der neuen Hafen-City einen besonderen Anschluss an das Nahverkehrsnetz zu zu spendieren. Eine Strecke über Brandstwiete, direkt über Bergstr. (nicht über den Rathausmarkt), Jungfernstieg, Dammtorstr., gegebenenfalls Tunnel unter dem Stephansplatz neben der U1 und der Bundesbahn, wieder ausmündend am südlichen Ende der Grindelallee, Grindelallee, Grindelberg und Hoheluftchaussee weiter nach Lokstedt und Niendorf könnte es doch sein. Abzweigende Linien über Mansteinstr. in das östliche Eimsbüttel und Breitenfelderstr. und Tarpenbekstr. in das nördliche Eppendorf könnten so die Initialzündung sein für ein neu aufzubauendes Straßenbahnnetz. Weitere Linien nach Bramfeld, Lurup, über das Schulterblatt, den Friedrich-Ebert-Damm, die Sievekingsallee und weiter in die Horner Geest wären möglich und auch als Ersatz für die Metrobusse 20 und 25. Prinzipiell wären eigentlich viele Metrobuslinien ein Kandidat für eine Straßenbahn. Was tun andere Städte? Sie nehmen einfach eine Fahrspur je Richtung für den öffentlichen Verkehr und überlassen den Autos nur noch eine Spur. Das kann auch in Hamburg gemacht werden, wenn man ernsthaft den öffentlichen Nahverkehr fördern will. Manchmal gibt es sogar noch Reste eines ehemaligen Mittelstreifens, auf dem die Straßenbahn früher auf eigenem Gleiskörper fuhr. Anfangen kann man ja erst einmal mit einem "Shuttle" Hafen-City - Bergstr. - Jungfernstieg - Gänsemarkt.- Dammtorstr - Kehre Moorweide (ja, genau dort, wo es so eine Kehre schon einmal gab!) 

Jedenfalls gibt es über eine neu zu schaffende Stadtbahn in Hamburg eine sehr gut gemachte Web-Seite www.stadtbahn-hamburg.de in der auch ein Linienplan enthalten ist. Sicherlich kann man über das eine oder andere Detail diskutieren - aber diese Grundidee ist doch zukunftsweisend. Eine weitere interessante Stadtbahn-Idee findet man auf der privaten Homepage von Kai Kuchenbrandt. Auch die einschlägigen Internet-Diskussionsforen bieten vielfältige Anregungen. Gedanken sind also da.

Der geplante Bogen der U-Bahn-Linie 4 (Linie U3 (RING) ist hellblau statt gelb dargestellt, damit sie besser sichtbar ist. Wäre hellblau für diese am Wasser bei Landungsbrücken und Baumwall vorbeifahrende Linie nicht ohnehin die einprägsamere Farbe?  .

Eine Stadtbahn zu popelig? Es muss unbedingt eine U-Bahn sein, damit die Investoren in die Hafen-City gehen? Weil "die Stadt" mit diesem Versprechen dorthin gelockt hat? Dann bieten sich trotzdem weniger skandalöse Linienführungen an als der weite Bogen nach Westen. Hamburgs Lage am Ufer der Norderelbe bringt es ja mit sich, dass man nicht so einfach lang gestreckten Durchmesserlinien planen kann wie in München, Berlin oder Paris. So macht die U1 den Knick über Messberg, bevor sie sich von Osten kommend auf den Weg nach Norden macht und auch die U3 beschreibt ab Landungbrücken ihren Bogen zurück nach Barmbek (aber diese Linie soll ja auch wieder der ursprüngliche "RING" werden). Nur die 2009 neu konzipierte U2 hat mit der Strecke Niendorf, Eimsbüttel, Jungfernstieg, Berliner Tor, Hamm, Mümmelmannsberg eine angemessen gestreckte Linienführung erhalten. Diese "L"-förmige Linienführung hatten ja aus dem Zwang der geographischen Lage auch schon viele der früheren Hamburger Straßenbahnlinien erhalten.

Wenn sich Hamburg für den Weiterbau seines Hochbahn-Netzes entscheidet, dann mag ja wohl der Gedanke an eine Renaissance der Straßenbahn (oder auch Stadtbahn - man sollte toleranter bei diesen Begriffen sein) überholt sein. Eine U-Bahn ist eben deutlich teurer und Kandidaten für neue U-Bahnstrecken sind natürlich auch die Routen, die für eine Straßenbahn zuerst in Frage kommen. Bei weiteren U-Bahnlinien bliebe für eine Straßenbahn / Stadtbahn nur der Rest der mittleren Verkehrsbeziehungen für die notfalls - wie die Praxis zeigt - auch Bedienung durch den "Metro"-Bus möglich ist. Also ist doch die erste Entscheidung: Überhaupt eine "U4" - ja oder nein? Doch diese Entscheidung ist ja jetzt gefallen und wir müssen uns wohl mit diesem Monstrum abfinden.

Wenn nein, dann wäre eine Straßenbahn / Stadtbahn für die Hafen-City und die Strecken, die jetzt mit überfüllten Bussen betrieben werden schon sinnvoll. Wer denkt da nicht gleich an die Linie 5, angeblich die am meisten belastete Buslinie Europas? 

Wenn ja, dann wären andere Lösungen angebracht gewesen als der weite Bogen durch die südöstliche Neustadt und mitten durch den Schlick des Alsterfleets und unter zwei Hafenbecken.

INDEX
FUNDGRUBE