Ein geheimnisvoller Zeitungsausschnitt 

Angeblich aus der Hamburger Morgenpost von 1950 stammt dieser Zeitungsausschnitt über geplante Strecken des Hamburger Straßenbahnnetzes. So ist er jedenfalls bezeichnet im Stadtteilarchiv Ottensen in Hamburg. Das kann aber nicht die Wahrheit sein, denn in den Mikrofilmen der Morgenpost in der Staatsbücherei Hamburg habe ich diesen Text im fraglichen Zeitraum nicht gefunden. Als das Abendblatt sein Archiv öffnete, war diese oder eine ähnliche Graphik allerdings auch in jener Zeitung in diesem Zeitraum nicht zu finden..

Analysieren wir die Graphik, so fällt erst einmal auf, dass die seit 1948 bestehende Strecke nach Bramfeld [D] noch als nicht existent eingezeichnet ist. Die mit [C] bezeichneten Strecken waren noch seit 1943 außer Betrieb, existierten aber davor. Gleiches gilt für die mit [A] bezeichneten ehemaligen Strecken, die erst weit nach 1950 durch die Linie [15] wieder in Betrieb genommen wurden. Ebenfalls Vorkriegsstrecke ist [E] über Lappenbergsallee, über die seit 1951 die [33] und dann die [13] und später die [5] fuhr. Also ist die Darstellung als "1950" kein konsistenter Zeitpunkt. Eher ist eine Erstellung um 1954 zu vermuten. 

Oder ist es vielleicht sogar noch ein Plan von vor 1945 ? Dafür spräche als Indiz nicht nur die Bezeichnung "Altona Hauptbahnhof". Das bis 1943 bestehende Straßenbahnnetz ist in allen Strecken als existent eingetragen. Neue Strecken für den vorhandenen Bestand sollten so sein: Holstenwall statt Glacischaussee, aufgewertete Amsinckstr., geradere Strecke im Zuge der Linie [21] von Barmbek nach Rothenburgsort, Durchbruch der Sievekingsallee zur Bürgerweide. Der Alstertunnel war schon seit 1909 geplant. Auch die etwas nördlicher gelegene Ost-West-Straße in der City war schon Planung der Nazizeit. Die Erschließung im nördlichen Stadtpark könnte den dort damals geplanten Sportstätten gelten (heute ist da die City-Nord). Also auch ein Plan aus dem "Büro Gutschow" von vor 1945 könnte passen.

Wer weiß Näheres? Der schreibe mir gerne eine e-mail an die im Impressum genannte Adresse. Die Hamburger Straßenbahnhistoriker werden dankbar sein.

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