Grobsortierung der Worte für die Dinge
 - eine natürlich nur theoretische Erwägung

EINE KLARE UNTERSCHEIDUNG 

1) Die klare Unterscheidung aller Dinge in sprachlicher Hinsicht hat jede Sprache mehr oder minder elegant gelöst. Während die indoeuropäischen Sprachen sich maximal damit begnügen, nach männlich, weiblich und unbelebt zu unterscheiden haben z.B. afrikanische Sprachen ein differenziertes System von Wortklassen ausgearbeitet. Letztlich sind das natürlich ebenfalls grammatikalische "Geschlechter",  die aber eben genauer definieren, zu welcher Klasse ein Ding gehört. 

So kann man sich rein theoretisch eine etwas differenzierte Klassifizierung der Substantive durchaus vorstellen - z.B. fünf Klassen, eine mit jedem Vokal verbunden, auf den die "Stammform" des Substantiv endet. Fünf Klassen erlauben drei Personenklassen und zwei Sachklassen. Artikel wären überflüssig - höchstens als "Substantiv-Ersetzung" etwa d+Vokal+Kasusanzeiger ("das" wäre z.B. Feminium Genetiv oder "dik" wäre Abstraktum Instrumental).

a = da in vielen indoeuropäischen Sprachen traditionell weiblich also weibliche Lebewesen, Katz-a wäre nicht die Katze an sich, sondern ausdrücklich die weibliche

e = oft ist egal, welches natürliche Geschlecht gemeint ist, man braucht ein Wort für das Lebewesen an sich als solches - so wäre Katz-e eben das Lebewesen an sich

i = Abstrakta sollten schon klar erkennbar sein (Lieb-i, Schönheit-i, Grandezz-i).

o = da in vielen indoeuropäischen Sprachen traditionell männlich also männliche Lebewesen - so wäre Katz-o eben als Kater zu erkennen

u = bleibt für unbelebte, aber real vorhandene Dinge ("Sachen") (Aut-u, Feur-u, Erd-u, Computer-u, Tastatur-u, Haus-u) 

Aber = Garten-u, Garten-i oder Garten-e ? Hier kann dann sogar durch die Wortklasse ausgedrückt werden, ob ein realer Garten gemeint ist, die Idee des Garten an sich oder die Lebewesen im Garten. Letzlich vermindern mehr Wortklassen die Anzahl der nötigen Worte für Substantive. Das ist in rudimentärer Weise ja schon jetzt der Fall (das Moor, der Mohr - der Leiter, die Leiter - die Steuer, das Steuer). Auch Homonyme, die jetzt noch den gleichen Artikel haben, könnten dann besser unterschieden werden.

Der Fall der Fälle 2) Man fragt sich manchmal, welchen Sinn eigentlich ein unvollständiges Kasus-System mit sterbendem Genetiv hat, unklaren Endungen mit mehreren Bedeutungen und doch Fällen, wo man weiterhin auf Präpositionen angewiesen ist. Nun hat ein Kasus-System den Vorteil kurzer knackiger Beziehungen. Man muss allerdings genau hinhören, damit man nichts verwechselt, die Redundanz der Aussage ist gering oder garnicht. So hat das System der Deklination nach Fällen gegenüber der Beziehung durch Präpositionen seine Vorteile, aber eben auch Nachteile. Jede Sprache schafft sich da ihre eigenen Prioritäten und Gewohnheiten.

Machen wir einen relativ traditionellen ersten Versuch eines logischen Systems:

-- = ohne, der Fall des Subjektes des Satzes ("Nominativ")
- s = der Fall, dass dieses Objekt Herkunft des Subjektes ist ("Genetiv")
- r = der Fall, dass auf dieses Objekt eingewirkt wird ("Dativ" und "Akkusativ")
- m = der Fall, dass dieses Objekt bewegt wird
- k = der Fall, dass mit dem Objekt etwas bewirkt wird ("Instrumental")
- l = der Fall, dass dieses Objekt "Besitzer" des Subjektes ist (Hausu Vaterol)
- b = der Fall, dass bei diesem Objekt die Handlung passiert ("Lokativ" allgemein)

Das Finnische hat ein ganzes System von Ortsbeziehungen als "Kasus". Möglich wäre auch noch ein Fall, dass z.B. in dem Objekt etwas passiert. Auch weitere Objektbeziehungen wären definierbar - jeweils durch einen prägnamten Konsonanten unterschieden. Denn welche "Fälle" sich erhalten, zeigt die Notwendigkeit prägnanter Unterscheidung. Vielleicht sind einige überflüssig und andere wären notwendig.

wie viele denn davon?  3) In der Regel werden Einzahl, Zweizahl und unbestimmte Mehrzahl in vielen Sprachen differenziert. Einzahl und Mehrzahl hat durchaus seine Ökonomie, die Zweizahl haben viele Sprachen aufgegeben, weil man statt sich eine besondere Endung für den Dual zu merken einfach zwei Dinge als Plural sagen kann. Also brauchen wir einen Plural-Anzeiger zusätzlich zum Kasus-Anzeiger. Hier bietet sich "e" oder "i" an, da diese Vokale ja auch generalisierende Wortklassen bezeichnen - entscheiden wir uns willkürlich für das "e".
Ein kleines Deklinationsschema - und alles ganz regelmäßig. Wird es aber 500 Jahre so bleiben? Doch wohl eher nicht. 4) Aus dem oben gesagten ergibt sich dann als praktische Folgerung

Hausu / Hausu-e - Das Haus / Die Häuser als Subjekt
Hausus / Haususe - vom Haus / von den Häusern bzw. des Hauses / der Häuser
Hausur / Hausure - dem Haus / den Häusern passiert etwas, es wird eingewirkt
Hausum / Hausume - das Objekt wird bewegt (Ballum - er wird z.B. geworfen)
Hausuk / Hausuke - mittels des Hauses / mittels der Häuser geschieht etwas
Hausul Hausule - das Haus oder die Häuser besitzen / enthalten etwas
Hausub / Hausube - beim Haus / bei den Häusern ist die Aktion

und analog natürlich (mit entsprechendem Vokal) für die anderen Wortklassen. Die ganze Sache ist zwar sehr übersichtlich und logisch, verzichtet auf Vokalwechsel und ist eindeutig in den Suffixen - doch würde sie 500 Jahre sprachlichen Gebrauch überdauern? Das wohl eher nicht, denn jede lebendig gesprochene Sprache kämpft mit ihren eigenen Regeln hinsichtlich Kürze und Klarheit des Ausdrucks und wird abgeschliffen. Wir sehen den Zusammenbruch des Kasus-Systems in der englischen Sprache, obwohl es doch bei ihren Ahnen auch einmal die 7 indoeuropäischen Fälle gegeben hat. Wobei noch weiter in der Vergangenheit nur Vermutungen erlaubt sind, wie sich dieses System ursprünglich gebildet hat - durch angepappte Präpositionen? Alles fließt!

Computer hätten allerdings mit diesem Deklinationssystem wenig Probleme bei maschinellen Übersetzungen in diese oder von dieser Sprache, weil sie klar definiert ist. Herrn Chomsky müsste das doch erfreuen.

[Rechte nach UrhG bei Horst Buchholz, 29553 Bienenbüttel]


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FEUILLETON