HOMMAGE an die LINIE [5]
1955 bis 1959

Als 1900 in Hamburg die Straßenbahnlinien Nummern erhielten war die [5] eigentlich nur ein Verstärker der [4] zwischen Eilbek (Richardstr) und St. Pauli. Sie fuhr aber über Steindamm und Steintordamm statt wie die [4] über Rostocker Str., Hansaplatz und Ernst-Merck-Str.. 1904 bekam die [5] dann eine von der [4] unabhängige Route über Meßberg und ab 1905 bediente sie die Schulterblatt-Strecke. Ab 15.07.1920 kam sie von Langenfelde über Kaiser-Wilhelm-Str statt nach Eilbek dann zur Süderstr. Im Juli 1943 endete der Betrieb der Linie [5] im zerstörten Hammerbrook und Hamm-Süd.

Dipl.-Ing. Engelbrecht, der Leiter der Abteilung "Svt" der HHA legte Ende 1954 seinen Plan zur Neuordnung des Liniennetzes vor. Die Wandsbeker Linien sollten danach die Nummern [3], [4] und [5] erhalten (statt [16], [3] und [1]) und hätten so auch an eine alte Tradition wieder angeknüpft. 

Tatsächlich wurde am 17.05.1955 diese neue Linie [5] realisiert. Ihr Weg ging von Langenfelde über Lappenbergsallee, Schulterblatt, Feldstr., Kaiser-Wilhelm-Str., Gr. Johannisstr., Mönckebergstr., Steindamm, Wandsbeker Chaussee, Wendemuthstr., Walddörferstr., Holzmühlenstr., Lesserstr. bis Hellbrook. Da dort keine Kehrschleife bestand, fuhr die [5] mit den alten Zweiachs-Triebwagen und mit bis zu zwei Anhängern, die in Hellbrook umgesetzt wurden. 

Diese 1955 neue Strecke der [5] nahm also dennoch Wege auf, die die [5] schon Anfang des Jahrhunderts gefahren war. Meine Mutter was ganz gerührt, als sie die [5] nach 35 Jahren wieder über die Wandsbeker Chaussee fahren sah. Das war damals ein Signal für die Normalisierung der Verhältnisse.

Angekommen an der Umsetzendstelle Hellbrook - und Umsetzen des Triebwagens. 

Abfahrt von Hellbrook in Richtung Langenfelde 

Die Strecke der Linie 5 im Wandsbeker Bereich zeigt links nebenan der HHA-Verkehrsplan von 1958. Die Punkte bezeichnen die Zahlgrenzen.

Von Wandsbek-Markt bis Wandsbek Gartenstadt gab es die Strecke seit dem 07.12.1913. Die kreuzende Strecke der Linie [8] kam von der Holzmühlenstr. aus gesehen in Richtung Trabrennbahn am 06.04.1927 in Betrieb und in Richtung Dehnhaide am 08.11.1928.

Die Strecke von Wandsbek-Gartenstadt nach Hellbrook war am 20.04.1926 eröffnet worden und wurde zuerst von der Linie [4] bedient, ab 1933 von der Linie [1], die an ihrem westlichen Ende bis Juli 1943 über Schulterblatt zur Hoheluftchaussee fuhr. 

Die [1] bediente nach 1944 nur noch die Strecke von Hellbrook über Wandsbek-Markt bis Jüthorn. Wollte man zur Innenstadt, so musste man umsteigen.

Erst mit der "neuen" Linie [5] gab es also seit 17.05.1955 wieder die direkte Innenstadtverbindung. Schon am 23.03.1959 wurde die Hellbrook-Strecke stillgelegt und durch den Bus [65] ersetzt (jetzt Metrobus [8]). Die nicht erfolgte Verlängerung nach Bramfeld war willkommener Anlass, auf Busbetrieb umzustellen. Die Straßenbahnlinie [5] endete seitdem als Verstärker der Linie [3] am Eichtal.

 

 

Man hätte ja gern die Linie [5] - wie seit 1914 geplant - über die damals noch Gemüsefelder zur Linie [9] an der Fabriciusstr. verlängert, damit einerseits die [5] auch von Wandsbek aus das Zentrum Bramfelds erreicht und man andererseits diese Linie auch mit Vierachsern hätte betreiben können - aber 6 Landwirte waren vehement dagegen und dann wäre auch die eingleisige Strecke von Wandsbek-Gartenstadt bis Hellbrook in Seitenlage problematisch gewesen. (Hamburger Abendblatt am 22.03.1957)

Wandsbek-Gartenstadt, oben Blick auf die eingleisige Strecke nach Hellbrook und unten in Richtung auf den Bahnhof der Walddörferbahn. Das Namensschild der Haltestelle am Fahrdraht sagt einfach nur "Gartenstadt". 

An der Tilsiter Straße (31.01.1959)

Lesserstr.  - Ecke Holzmühlenstr.

Holzmühlenstr. (01.03.1959) 

Holzmühlenstr. / Walddörferstr.

Walddörferstr. / Wendemuthstr.

Wendemuthstr. / Wandsbeker Zollstr. (Blick nach Süden) (14.02.1959)

Wendemuthstr. / Wandsbeker Zollstr. (14.02.1959) - geradeaus fährt Linie [3] nach Tonndorf

Hamburg Hauptbanhof

Da gab es noch die KEPA, dort wo jetzt Karstadt-Sport ist. Vorher waren auf diesem Häuserblock innerhalb der Kehrschleife Lange Mühren seit 1945 jahrelang unzählige kleine Buden mit Verkaufsständen

Die winterliche Mönckebergstr. mit Weihnachtsbeleuchtung

Seitdem die [5] statt nach Hellbrook ab 23.03.1959 nach Eichtal fuhr, konnten auch Vierachser auf dieser Linie eingesetzt werden, weil so an beiden Linienenden Kehrschleifen waren.
("Koff, Darbohne und Idee - stechen heute schon in See, haben schon seit Tagen - garnichts mehr im Magen" damals aus dem Reklamebilder-Kindersammelalbum von Darboven-Kaffee mit den Abenteuern dieser drei Kaffemarken der Firma)

am 31.01.1959 - P & C senkt die Preise und der große Pfeil weist zu J & M

10.02.1959 - auch Brüggemann & Barkmann ist heute schon Geschichte

Berufsverkehr am Rathausmarkt - dann mit 2 Beiwagen, sonst nur einer

aus dem Hamburger Abendblatt vom 15.08.1956 - so idyllisch damals noch

Linie [5] am Schulterblatt unter der Eisenbahnbrücke. Dahinter ein Zug der Linie [15]. Oben rauscht ein S-Bahnzug (ET471) vorbei

Kehre Langenfelde - rechts ein Zug der Linie [17] (vorher [30]), der dort auf dem Betriebshof kehrt

Langenfelde (?) - 24.01.1959

Am 04.09.1960: Busse im Depot Wendemuthstr. Die Strecke Wandsbek-Markt <--> Hellbrook wurde am 23.03.1959 stillgelegt und durch den Bus [65] ersetzt - kundenunfreundlich zum damals teurerem Bustarif. Dafür brachte der Bus dann die durchgehende Verbindung von Wandsbek bis in das Zentrum von Bramfeld. Die [5] verstärkte dann die [3] bis zur Schleife Eichtal (später nur noch bis Wendemuthstr), bis die Linie am 31.12.1959 zu ihrer letzten Fahrt ausrückte. Eine dritte Linie [5] wurde dann noch kurz von 1967 bis 1971 zwischen U-Burgstr und U-Horner Rennbahn auf der Sievekingsallee betrieben.  

Für die Präzisierung von Ortsbestimmungen in Wandsbek danke ich Herrn Rainer Dick
Photos = H. Grevesmühl - Urheberrechte beim VVM - mit freundlicher Genehmigung VVM 
Urheberrecht Text und Arrangement = Horst Buchholz

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