HOMMAGE an den Wagen 656
(der "historische" Triebwagen des VVM von 1894)

Als 1894 in Hamburg die Straßenbahnlinien elektrifiziert wurden, beschaffte die Straßen Eisenbahn Gesellschaft Hamburg (zuerst StEGH, später verkürzt SEG) zweiachsige Triebwagen aus ihrer eigenen Werkstätte am Falkenried in Hamburg-Eppendorf (jetzt Hoheluft-Ost). Einer dieser Wagen ist beim Museumsbetrieb des VVM in Schönberg Strand (bei Kiel) fahrfähig erhalten. 

Anläßlich von Aufnahmen des NDR für ein Feature über Spurensuche zur Hamburger Vergangenheit im Zusammenhang mit meinem Buch über das Liniennetz der Hamburger Straßenbahn wurde dieser Wagen am 07.02.2009 wieder einmal in Betrieb gesetzt. Die gefilmten Sequenzen wurden am 08.03.2009 um 18:00 Uhr vom NDR im Rahmen der Sendung "Rund um den Michel" ausgestrahlt.

Am 15.05.1955 war er noch auf den Gleisen der HHA unterwegs anlässlich der  Eröffnung der neuen Linie [5] und der Verlängerung der Linie [8] von der Dehnhaide zum Rathausmarkt. Als Dachzeichen trug er damals das Signal der Linie [10]. Hier sehen wir ihn von Egon Ihde photografiert am Neuen Pferdemarkt.

 

1963 photografierte Geoffrey Tribe Wagen 656 mit Beiwagen 310 auf dem Betriebshof Krohnskamp - hier auch noch für die Linie 10 getakelt.
(mit freundlicher Erlaubnis von Geoffrey Tribe)

Wagen 656 wurde 1894 innerhalb der ersten Wagenserie der elektrischen Triebwagen 601 bis 706 als Typ "B" in Falkenried gebaut, bis 1925 umgebaut in den Typ "N6 I" mit der Wagennummer 2392. 1947 erhielt er die Bezeichnung 2300 und wurde als Typ "Z1" geführt. Im April 1954 wurde er zum historischen Wagen zurück verwandelt und erhielt wieder seine Ursprungsnummer 656. Die Identität mit Wagen 2392 bestätigte mir Herr Holger Ebeling, Straßenbahn-Betriebsleiter des VVM. Die ursprüngliche Wagennummer war noch am Rahmen sichtbar.

  

Der Wagen ist jetzt im Zustand von 1900 bis 1905 als Linie [21] getakelt, die damals zwischen Hallerstr über Grindelhof, Karolinenstr, Kaiser-Wilhelm-Str - Gr. Burstah - Messberg - Banksstr zur Wasserkunst in Rothenburgsort unterwegs war - daher das Dachzeichen mit "W" und "H" als Merkhinweis für Wasserkunst und Hallerstr.. Linie [21] gehörte zu den Linien, deren Sechsecklaternen nicht jede eine Farbe hatten, sondern kombiniert - in diesem Fall abwechselnd blau und weiß.

Die auf dem Photo unten linke Laterne ist allerdings korrekt bestückt - deren Glas ganz rechts hätte von der Logik her zwar wieder blau sein müssen. Es ist aber weiß, damit diese Scheibe das Zielschild beleuchten kann. Von vorn und von der Seite war dieses Segment der Sechsecklaterne ja ohnehin nicht zu sehen, so dass deren Farbe für die Linien-Erkennung egal war. So waren die Gläser von vorne begonnen also [blau - weiß - weiß - weiß - blau - weiß] oder [weiß - blau - weiß - blau - weiß - blau] angeordnet, wobei die Scheibe an der Position in rot nach jeweils hinten innen das Zielschild beleuchtete. 

Beim Zielschild rechts sind auch die beiden Kronenräder der Mechanik zu sehen, mit der der Fahrer es von innen umstellen konnte. Bei Ein- oder Aussetzfahrten stellte er es waagerecht, so dass keines der beiden Ziele zu sehen war. Liniennummer, Glasscheiben der Sechsecklaternen, Dachzeichen und Zielschild an beiden Enden sowie die Seitenschilder mit dem Linienweg mussten ausgewechselt werden, wenn der Wagen auf einer anderen Linie eingesetzt werden sollte.

  

Blick in das gediegene Innere des Fahrzeuges. 20 Sitzplätze waren zugelassen. Für stehende Fahrgäste gab es die Halteschlaufen. In der Tür zur Plattform ist die Zahlklappe zu sehen und am Türrahmen das Maß von 1.00 Meter - Kinder, die kleiner waren, durften gratis mitfahren.

Der Fahrschalter ist von bestechender Einfachheit. Das verschlungene Emblem enthält die Signatur StEGH der Straßen Eisenbahn Gesellschaft Hamburg, die von 1880 bis 1920 Hamburgs führende Straßenbahngesellschaft war, bevor ihr Betrieb von der HHA übernommen wurde. Bis 1925 stand der Fahrer bei Wind und Wetter im Freien - es gab noch kein Sicherheitsglas

Damals so wichtig wie bis 1978 - die Rolle für die Stromabnahme nach dem System Sprague

  

Herr Holger Ebeling, der Betriebsleiter des VVM, setzt den "historischen" Wagen in Bewegung und steuert ihn über die Gleisanlage des VVM

Ein kerniges Profil - mit sehr kunstvollen Zierelementen - und keinerlei Reklame ! Das hatte noch Stil und Charakter

Zwei Experten des VVM im Gespräch - Horst Möller und Günther Dolezal

  

Links die Glocke (eine auf jeder Plattform) und rechts die Betätigung für das Schild mit dem Fahrziel

  

Der Verfasser durfte sich auch einmal an den Fahrschalter stellen (Photo Th. Senkpiel) - und rechts das Metermass im Detail

.... und nun beobachten wir das Team des Norddeutschen Rundfunks (NDR) bei seiner Arbeit. Das erste Photo am Wartepavillon Ohlsdorf ist vom 23. Januar 2009 - die weiteren vom 07. Februar 2009 an der Carsten-Rehder-Str. in Hamburg-Altona und auf dem Museumsgelände des VVM in Schönberg bei Kiel.

  

  

  


Urheberrecht der Farbphotos (bis auf eines alle 07.02.2009), Text und Arrangement = Horst Buchholz
Schwarzweißphoto vom 17.05.1955 von Egon Ihde mit freundlicher Erlaubnis Hamburger Omnibus Verein.

Farbphoto von 1963 mit freundlicher Genehmigung Geoffrey Tribe

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