Straßenbahnlinien am Knotenpunkt Berliner Tor

Der Hamburger Stadtbefestigung im Osten wurde die Vorstadt St. Georg einschließend ein weiteres Festungswerk vorgelagert, das bei den Landstraßen nach Lübeck und Berlin zwei Durchlässe aufwies: Lübecker Tor und Berliner Tor. Durch das Berliner Tor kam und kommt man über die Borgfelder Str. auf die Hammer und Horner Landstraße. 

Am 11.12.1875 wurde hier die erste Pferdebahn nach Hamm durchgeführt (später [17] = rote Linie), die auf dem Geesthang über Bürgerweide zu den damals in Hamm bestehenden Villen geführt wurde. Am 02.11.1880 errichtete die SEG dann die Strecke nach Horn (später [24] = blaue Linie), die über Spaldingstr zur Hammer Landstr. lief, um die Steigung den Geesthang hinauf bei der Borgfelder Str. zu vermeiden. Gleichzeitig schloss diese Linie den Lübecker Bahnhof an, der damals an der Spaldingstr lag.

Erst am 01.03.1893 wurde die Pferdebahn nach Ottensen und Flottbek im Osten über Berliner Tor zur Burgstr. verlängert (später [22] = orange Linie), die dann doch die schräge Strecke über die Borgfelder Str. bediente. 

Der 01.01.1896 brachte den Fahrdraht zum Berliner Tor, die spätere [17] wurde elektrifiziert. Auch die Zentralbahn kam unter Strom und sie verlängerte ihre Stecke dabei von der Brockesstr (beim ZOB) zum Berliner Tor. Ab 13.04.1896 fuhr auch die spätere [24] elektrisch, die spätere [22] als Pferdebahn endete zeitweilig am Ausschläger Weg. Am 20.08.1896 wurde auch die spätere [22] elektrifiziert. Ab 27.05.1898 wurde dann die [22] wieder weiter nach Osten verlängert.

1900 wurden an die SEG-Linien die Liniennummern [1] bis [30] vergeben, die Centralbahn agierte weiterhin ohne Liniennummer

1905 baute die Centralbahn am Berliner Tor eine Kehrschleife, um das Umsetzen ihrer Züge alle 2 1/2 Minuten zu vereinfachen. Dort kehrte auch ab 23.10.1906 die Linie [22] wegen Sielbauarbeiten (bis 31.10.1907). Für die [24] kam ab 01.11.1906 eine Verstärkerlinie [D] hinzu, die am Dornbusch endete.

Durch den Bau der Hochbahn in der Innenstadt waren einige Umleitungen der Straßenbahnlinien notwendig. Ab 01.02.1908 fuhr Linie [22] mit der [24] über Meßberg und Spaldingstr, um am Gr. Burstah nicht die Baustelle überkreuzen zu müssen. Die alte Strecke der [22] über Hansaplatz zum Rathausmarkt übernahm die [D]. Vom 02.03.1908 bis 22.09.1908 soll die [22] dann ein kurzes Stück neue Strecke über Heidenkampsweg und über Borgfelder Str gefahren sein (dünne blaue Linie auf der Graphik). 

Ab 01.04.1908 wich die [17] dann über Steinhauerdamm und Steindamm aus und die Zentralbahn endete von dann an bis 20.09.1908 schon an der Lindenstr. Linie [D] wurde durch eine ab St. Pauli verlängerte Sonderlinie [22] ersetzt.

Ab 22.09.1908 wurde die [sonder22] dann durch die bisher schon am Rathausmarkt endende Linie [11] über Hansaplatz ersetzt.

Ab 04.06.1909 kehrte Linie [17] weitgehend auf ihren alten Weg zurück. Nur das Westende der Gr. Allee (Adenauerallee) war noch gesperrt. so dass sie mit der [11] über Hansaplatz fuhr.

Ab 01.10.1909 kam dann die neue Linie [35] in Betrieb. Sie kam vom Mühlenkamp und Mundsburg und fuhr über Steinhauerdamm und Heidenkampsweg zur Veddel und zum Freihafen. Ab 18.12.1909 wurde sie von einer von Barmbek kommenden Verstärker-Linie [F] unterstützt. Damals fuhr die [35] noch nicht unter der Brücke hindurch (auf der Zeichnung Trasse "B"), sondern zweigte ebenerdig ab und fuhr gradlinig die Steigung zum Heidenkampsweg hinab. Ab 14.12.1910 verließ die [22] erst einmal Berliner Tor, sie fuhr nur noch vom Rödingsmarkt nach Bahrenfeld. Ihr Ostende übernahm die Linie [37] über Gr. Allee und Borgfelder Str - auf der Graphik fälschlich mit [22] bezeichnet. Auch ab 14.12.1910 wurde die [17] gerade über Mönckebergstr geleitet, eine Sonderlinie [17] fuhr seitdem noch einige Zeit über Ferdinandstr zum Rathausmarkt.

Linie [37] änderte am 15.04.1911 vorübergehend ihren Weg über Spaldingstr. und begleitete die [24]. Ab 16.06.1913 wurde sie aber über Mönckebergstr geleitet und kam so über Gr. Allee (Adenauerallee) zum Berliner Tor.

Ab 20.08.1912 verstärkte eine neue Linie [38] die [17] zum Hammer Park. Die Sonderlinie [17] über Ferdinandstr wurde jetzt eingestellt.

Aus betrieblichen Gründen (die [11] konnte so ohne Beiwagen fahren) tauschten die Linien [11] und [13] ab 01.08.1916 ihre östlichen Linienenden. Einschränkungen im Betrieb gab es für die [37] ab 05.12.1916 am Vormittag und Abend und ab 08.12.1916 fuhr Linie [38] nicht mehr ab 21:00 Uhr.

Linie [38] wurde ab 17.05.1920 weiter eingeschränkt: auch sonntags vormittags nicht mehr, ab 20.11.1920 sonntags gar nicht. Ab 05.09.1922 wurde die Schleife Diagonalstr. in Betrieb genommen, die bald größere betriebliche Bedeutung erhalten sollte.

Ab 01.01.1923 ersetzen die Linien [8], [22], [31], [37], [38] und [40] die Zentralbahn, deren Konzession abgelaufen war. Während die [8] weiterhin nach Barmbek fuhr und die [22] am Hauptbahnhof endete, kehrten die anderen vier Linien wie die Zentralbahn am Berliner Tor. Die [37] und [38] fuhren über Mönckebergstr, während [31] und [40] vorerst der Steinstr. treu blieben, ab 01.03.1923 aber auch über Mönckebergstr verkehrten.

Schon ab 01.01.1923 wurde die [37] in der HVZ bis Diagonalstr verlängert, ab 01.02.1923 auch die Linie [40]. Ab 09.02.1923 kam auch die [38] in der HVZ wieder zum Hammer Park und ab "Februar" 1923 die [22] teilweise zum Berliner Tor.

Ab 24.04.1923 sonntags abends und ab 29.05. zusätzlich werktags abends fuhr die [38] nicht, die [37] übernahm seitdem den Abendservice der [38]. 

Während der Inflation gab die HHA am 15.08.1923 die Linien [38] und [40] ganz auf, am 07.09.1923 auch die [22].

Ab 10.12.1923 nahmen die [31] und [37] die Strecken bis Diagonalstr bzw. Billstedt unter die Räder. Auch die [40] kam ab 17.01.1924 in der HVZ und werktags nachmittags wieder. Ab 27.03.1924 fuhr auch die [22] wieder nach Bahrenfeld, aber erst ab Rödingsmarkt. So war es eine Serviceverbesserung, als die [40] am 14.10.1924 die Strecke der [22] übernahm und wieder ständig fuhr. Zusätzlich kam die [11] als HVZ-Verstärker zum Hammer Park. Dafür pausierte die [37] ab 04.11.1924 am Sonntag.

Hammer Park bekam am 16.11.1924 eine Kehrschleife, so dass auch die [20] ab 28.01.1925 in der HVZ dort kehren konnte. 

Einen "großen" Fahrplanwechsel gab es am 26.05.1925. Linie [16] endete jetzt neu Berliner Tor, in der HVZ Diagonalstr, die [24] endete werktag abends und sonntags von Eppendorf kommend bereits Rödingsmarkt, so dass dann auf der Anckelmannstr kein Betrieb war und die [37] verkehrte nur noch zur HVZ. 

Die [22] - jetzt von Schnelsen statt Bahrenfeld - erreichte am 15.04.1926 wieder Berliner Tor und ab 07.09.1926 werktags morgens als Ersatz der [37] dann sogar Schurzallee. Ab 10.01.1927 ersetzte Linie [10] die [20], zuerst ganztägig werktags, aber ab 15.09.1927 auch nur in der HVZ

Ab 02.05.1927 verschwand die [37] ganz aus Hamm und der Stamm- und Verstärkerverkehr der Linien [13], [16], [22], [24] und [31] auf der Hammer- und Horner Landstr. unterlag bis 1943 vielfältigen Änderungen, über die die Streckenbeschreibung dieser Straße detailliert Auskunft gibt.

Neu kam ab 15.02.1927 die Linie [21] Barmbek <--> Rothenburgsort in das Spiel, die zwar Berliner Tor nicht direkt berührte, aber am Ausschläger Weg in der Nähe vorbeifuhr. Neu war auch die [19] Mundsburg <--> Billbrook ab 01.11.1930, die ab 06.11.1930 mit der [35] und [F] auf einer neuen Rampenstrecke unter der Brücke des Berlinertordamms kreuzungsfrei zum Heidenkampsweg strebte.

Gleisanlage Berliner Tor nach dem Umbau - die Gleise Richtung Heidenkampsweg wurden neben der Eisenbahnstrecke unter dem Berlinertordamm geführt. Zur Haltestelle der [35] und der [19] führten Treppen herab. Die Kurve in die Klaus-Groth-Str und zur Bürgerweide mussten einen kleineren Radius bekommen.
Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930-er Jahre machte sich auch bei der Straßenbahn bemerkbar. Linie [19] fuhr nur seit 02.02.1931 noch in der HVZ ab Neuer Schützenhof nach Billbrook, sonst ab Großmannplatz. Ab 13.03.1932 pausierte die [11] am Sonntag. Dafür begleitete sie die [17] ab 18.06.1932 zum Mettlerkampsweg zu den dort neu gebauten Mietshäusern. Ab 01.11.1932 verschwanden [10] und [11] vom Berliner Tor, dafür kam die [22] in der HVZ wieder vorbei. Linie [24] fuhr jetzt über Gr. Allee zum Hammer Park und über Spaldingstr kam dafür (nur werktags) die [25] in Betrieb. Auch die [40] wurde nach Rothenburgsort verlegt.

Ab 01.04.1933 kehrte Linie [25] abends schon Rödingsmarkt zu den Friedhöfen in Altona, so dass die Strecke über Spaldingstr zeitweise ohne Betrieb war. Ab 01.08.1935 agierte die [25] dann dort nur noch zur HVZ.

Die [22] verzog sich ab 16.10.1933 nach Tonndorf, als Ersatz kam ab 01.04.1934 die [2] in der vormittäglichen HVZ zur Schurzallee. Auch die [24] bediente Hamm ab 16.10.1934 nicht mehr sonntags. Werktags fuhr sie mit der [17] zur Rennbahnstr. in Horn und zum Hammer Park eine besondere [24rot]. 

Linie [19] war vom 01.07.1935 bis 20.10.1936 eingestellt, die Billbrook-Strecke wurde von Linie [14] und [14rot] zeitweise mitbedient.

Größere Änderungen am 20.10.1936: Die [2] verstärkte jetzt in der HVZ Richtung Horner Rennbahn, die [16] fuhr standardmäßig nach Billstedt, die [24] endete generell schon von Eppendorf kommend am Rödingsmarkt und die [25] fuhr statt der [24] werktags ohne abends zum Hammer Park.. Doch am 27.04.1927 kehrte die [24] wieder als Verstärker zur Horner Rennbahn zurück.

Ab 10.05.1938 fuhren sonnabend und sonntags statt der Busse Straßenbahnen nachts als Linie [U] nach Billstedt. Ab 02.09.1939 geschah das jede Nacht und ab 10.05.1940 kam eine Linie [T] zur Horner Rennbahn nachts hinzu.

Die östlichen Endpunkte der [13] wechselten je nach Tageszeit stark in jenen Jahren und als Verstärker Richtung Billstedt trat außerdem ab 22.10.1940 die [28] in Erscheinung.

Ab 07.10.1941 verschwand die [2] aus den Fahrplanbüchern und auch die [25] befuhr die Strecke über das Ostende der Spaldingstr und Anckelmannstr nicht mehr. Dieser Streckenteil kam also nicht durch die Bombardierungen Hamburgs außer Betrieb, sondern wurde schon vorher stillgelegt. Damit hatte sich der Verkehr nach Horn völlig von der Spaldingstr. zur Borgfelder Str. verlagert.

Kurz vor den Zerstörungen am 05.05.1942 verzichtete die [24] auf den Abend-Service und am 19.04.1943 wurde der Nachtverkehr zugunsten eines erweiterten Spärverkehres eingestellt.

Nach den ersten großflächigen Bombardierungen im Juli 1943 war die Straßenbahn weitgehend eingestellt. Zuletzt am 27.07.1943 fuhr beim Berliner Tor allein die [16] vom Hauptbahnhof nach Billstedt und die [21] von der Diagonalstr nach Rothenburgsort. Danach war in Borgfelde, Hammerbrook und Hamm nichts mehr wie zuvor. Hier war die Zerstörung flächendeckend.

Erst nach 4 Monaten, am 22.11.1943, kam die [31] nach Billstedt wieder in Betrieb. Am 29.11.1943 folgten [33] und [35] in Richtung Veddel und ab 01.02.1944 verstärkte die [16] nach Billstedt.

Ab 28.05.1944 - 10 Monate nach den Bomnardierungen - konnte auch Wandsbek mit der [22] wieder angeschlossen werden. Da der Steindamm unpassierbar war, fuhr die Linie vorerst über Berliner Tor.

Ab 20.06.1944 konnten [6], [12] und [28] nicht Hauptbahnhof kehren und wurden so einige Tage bis Berliner Tor verlängert. Die [33nord] tat dies seitdem für 6 Wochen, damit man Berliner Tor in die dort kreuzende [33süd] umsteigen konnte.

Ab 03.08.1944 wurde auch die [18] über Berliner Tor umgeleitet, bis am 21.08.1944 [18] und [22] wieder über Steindamm fahren konnten. Auch für die [33] war ab 10.08.1944 die Amsinckstr wieder frei, so dass am Berliner Tor nur noch [16], [31] und [35] agierten.

Ab 02.01.1945 kam die [19] in der HVZ wieder ab Mundsburg in Betrieb, ab 03.11.1947 sogar ab Neuer Schützenhof und ständig. Als aber ab 16.05.1948 dorthin die neue Linie [9] fuhr, endete die [19] wieder Mundsburg.

Ab 19.01.1948 erreichte die U-Bahn wieder Berliner Tor, ab 01.07.1949 Mundsburg und ab 01.07.1950 Barmbek. Daher endete die [19] ab 01.07.1950 am Berliner Tor. Nur in der HVZ wurde sie bis Mundsburg verlängert.

Der 01.11.1950 brachte wieder den Nachtverkehr. Über Berliner Tor nach Billstedt wurde die Linie [12] geleitet, die tagsüber ja bereits am Hauptbahnhof endete.

Linie [16] nahm ab 24.06.1951 die wieder eröffnete Strecke zur Horner Rennbahn unter die Räder - aber jetzt über Sievekingdamm statt Bürgerweide. Ab 28.10.1952 verstärkte die [2] dorthin, ab 05.05.1953 löste die [2] die [16] ganz ab. Ihrerseits bekam die [2] ab 02.10.1960 die Linie [4] als Verstärker. Ab 29.10.1957 bediente die [2] die Strecke auch nachts.

Ebenfalls ab 28.10.1952 verstärkte die [7] bis Billstedt, übernahm ab 29.10.1957 von der [12] auch den Nachtverkehr dorthin. Diesen Service übergab sie dann am 28.10.1962 an die [1].

Linie [14] übernahm von Eppendorf aus verlängert ab 05.04.1945 den Service der [35] und ersetzte sie also beim Berliner Tor. Linie [31] verlängerte die HHA am 31.10.1955 bis Lurup und die Linie wurde gleichzeitig in [1] umbenannt. So hatten sich die Liniennummern am Berliner Tor in kurzer Zeit total geändert.

Während die alte Zentralbahnschleife von 1905 im Jahre 1958 abgebaut wurde, legte man in der Bürgerweide für die [14] und [19] ab 14.06.1957 neue Gleise, weil die Kuhmühlenstrecke aufgegeben wurde.

Am 02.01.1967 wurde die U-Bahnstrecke Berliner Tor - Horner Rennbahn eröffnet. Das hatte natürlich seine Auswirkungen auf das Straßenbahnnetz. Die Linien [2] und [4] wurden sogleich bis ZOB zurück genommen und die [7] fuhr nur noch in der HVZ bis Billstedt, endete aber ab 28.05.1967 ebenfalls am ZOB. Am 29.09.1968 bediente die [1] nicht mehr den Billstedter Streckenzweig, so dass die Borgfelder Str. seitdem ohne Linienverkehr war. Unabhängig vom Bau der U-Bahn in Richtung Billstedt agierten die Linien [14] und [19] vorerst noch über Bürgerweide. Da ab 24.09.1967 keine Zweirichtungswagen mehr vorhanden waren, konnte die [19] nicht mehr am Berliner Tor spitz kehren, sie endete vorerst am Betriebsbahnhof Angerstr. und ab 28.09.1969 an der Schleife Burgstr. Am 29.09.1970 wurde Linie [19] eingestellt. Die [14] hielt sich bis 22.05.1977 als eine der letzten 3 Hamburger Straßenbahnlinien. 
 

Horst Buchholz * 12.09.2008 bis 25.09.2008
(Linienskizzen Verfasser)