Gleisanlagen Eppendorfer Weg

Eimsbüttel, ursprünglich Besitz des Klosters Harvestehude, kam 1830 in den unmittelbaren Zugriff der Stadt Hamburg und wurde 1874 Vorort. Bis dahin war es ein Dorf mit einigen Ausflugslokalen und Sommervillen. In direkter Linie zu Hamburg lag die Sternschanze und so konnte man entweder aus dem Hamburger Millerntor über Neuer Pferdemarkt oder durch das Dammtor über die spätere Schröderstiftstr. mit Umwegen dorthin kommen. Der Weg über das Millerntor führte allerdings über das Schulterblatt, das bis 1937 Altonaer Gebiet war. Eingepfarrt war Eimsbüttel ursprünglich zu Eppendorf und daher war der Eppendorfer Weg eben auch die Verbindungsstraße für den sonntäglichen Kirchgang. 

Nach Aufhebung der Torsperre in den 1860-er Jahren begann über das erste Stadium der Villen und Landhäuser die zunehmend städtischer werdende Bebauung Eimsbüttels. Doch erst 1894 wurde der Stadtteil zusammen mit anderen Vororten formal der Stadt Hamburg angegliedert.    

 

alle 15 Linienskizzen Urherberrecht H. Buchholz Okt. 2007

(1) Die erste Pferdebahnstrecke der PEG nach Eimsbüttel (blau, die spätere Linie 11) führte ab 05.09.1868 über das Dammtor, die schon besiedelte Grindelallee und über Beim Schlump zur Schäferkampsallee, an der späteren Christuskirche (1886 geweiht) vorbei, weiter über die Fruchtallee zum Eimsbüttler Markt. Das Gelände an der Fruchtallee zwischen Christuskirche und Eppendorfer Weg war damals noch unbebaut. 

13 Jahre später (am 02.09.1881) folgte die zweite Linie nach Eimsbüttel, die von der SEG über Feldstr. geführt wurde (rot, die spätere Linie 12). Weiter ging sie über Vereinsstr ("V") und Meißnerstr ("M"). So vermied sie Altonaer Gebiet. Nachdem sie dem Eppendorfer Weg bis zur Osterstr gefolgt war, bog sie in diese ein, folgte dann der Müggenkampstr und endete an der Grenze zu Altona.

Am 30.05.1884 kamen die beiden Linien der HANWTC hinzu (grün - später 15 und 16) über Schulterblatt und dann einerseits über Sophienallee zum Eimsbüttler Markt und Im Gehölz und Gärtnerstr zur Hoheluftchaussee.

(2) Der fortschreitenden Besiedlung Eimsbüttels folgte die SEG mit einer neuen Linie (später 10) über Jungiusstr. Lagerstr, Schanzenstr und Weidenallee am 19.12.1885 vorerst bis zur Christuskirche. Die spätere (12) bekam am 13.12.1891 ein Gleis in Richtung Süden durch Lindenallee und Bartelsstr, das bei Elektrifizierung der Strecke ab November 1895 in beiden Richtungen befahren wurde. Ab 16.11.1892 wurde sie durch die spätere (21) verstärkt bis Osterstr / Ecke Eppendorfer Weg. Dieser Verstärker wurde bei der Elektrifizierung durch die spätere Linie (13) abgelöst.

Elektrifiziert wurde die (10) bis Christuskirche am 13.05.1894, die (11) am 21.01.1895, (12) und (13) am 01.11.1895. Nur die HAT-Linien (vorher HANWTC) (15) und (16) liefen 1896 noch als Pferdebahn.  

 

    

Vermessungskarte der Bau-Deputation Hamburg 1898, Blatt Eimsbüttel (Staatsarchiv Hamburg, Plankammer, P 3750)

1898 war das Eimsbüttler Straßenbahnnetz in seinen Grundzügen ausgebildet, wenn auch noch nicht überall doppelgleisig (gelbe Strecken = eingleisig). Man sieht beim Eimsbüttler Markt die Zufahrt der [15] über Sophienallee und Pinneberger Weg. Diese eingleisige Strecke wurde vermutlich seit der Elektrifizierung der späteren [15] ab 01.12.1897 als Schleife in Richtung Eimsbüttler Markt befahren. Am Eimsbüttler Markt sieht man die Gleise der Wagenbauanstalt Busch, die für die HAT arbeitete. Die spätere Linie [11] hatte sich am 08.06.1898 schon durch bald zu bebauendes Gelände nahe der Apostelkirche über Lappenbergsallee gleich zweigleisig aufgemacht zum Westende der Müggenkampstr. Seit 27.01.1898 fuhr sowohl die spätere Linie [12] über die Bismarckstr in Richtung Hoheluftchaussee und Eppendorf als auch die spätere [10] über Weidenstieg und dem Westende der Bismarckstr zur Osterstr.. 

Für die spätere [16] war anlässlich der Elektrifizierung am 01.12.1897 der Schulweg neu durchgebrochen, um die Fahrt mit zwei Kurven von 90 Grad über den alten Schulweg (heute Henriettenweg) zu vermeiden. Ihr weiterer Verlauf zur Hoheluftchaussee führte auch 1898 noch durch kaum bebautes Gebiet, so dass sie noch eingleisig war. Hier wurden aber bald vierstöckige Mietshäuser gebaut. Das Gleisdreieck an der Ecke Bismarckstr und Osterstr wurde in der durchgehenden Relation Bismarckstr-West nach Bismarckstr-Ost nie linienmäßig genutzt. Vereinsstr und Meissnerstr - ursprünglich Trasse der [12] - sind seit 23.10.1895 schon wieder schienenfrei, da diese Linie ja seit 23.10.1895 mit der [13] in beiden Richtungen die Lindenallee benutzt.   

(3) Am 21.09.1898 kam die spätere Linie [30] von Altona zur Christuskirche hinzu. Sie ist auf der obigen Vermessungskarte noch nicht eingetragen, so dass sich diese eben auf Mitte 1898 gut datieren läßt.

Im Sommer 1900 wurden die Hamburger Straßenbahnlinien mit Nummern versehen. Die Strecken nach Eimsbüttel bekamen die Nummern [10] bis [16], wobei die [14] vorerst bereits am Neuen Pferdemarkt endete.

Man sieht hier schon die Herausbildung bestimmter Linienkorridore, die den Eppendorfer Weg berühren. Der violett gezeichnete war Domäne der [12] und später auch der [14] und zeitweilig der [3], die hellblaue Strecke nahmen die [10] und später die  [13] unter die Räder, die dunkelblaue Linie gehörte der [11].      

(4) Nach einigen Verlängerungen und Verkürzungen endete die [14] ab 14.11.1903 Ecke Osterstr und Eppendorfer Weg. Meist sonntags am Nachmittag fuhr sie mit der [12] nach Eppendorf.

Ab 19.10.1905 verstärkten [5] und [6] die Linien [15] und [16], aber die [5] die [16] und die [6] die [15]. Vom 01.11.1906 bis 17.02.1908 lief ein Verstärker [U] zusätzlich auf dem dunkelblau gezeichnetem Weg der [11]. 

Ganz neu war ab September 1907 die [T] zum Tierpark (Hagenbeck). Zuerst nur nachmittags am Sonntag unterwegs, fuhr sie bald täglich diese Strecke. Der direkte Weg über Bundesstr. war noch nicht sinnvoll, denn hier war noch unbebaute Wiese am Ufer der Isebek. Für die [T] und später die [16] kam eine neue Weichenverbindung bei der Christuskirche in Betrieb.

(5)Um Hagenbecks Tierpark zu erreichen, bot man vor allem am Sonntag umfassenden Service an. Seit "1909" fuhr eine Linie [O] dann von Ohlsdorf aus dorthin und ab 06.06.1909 die [St] von Altona über die sonst so nicht genutzte Verbindung Alsenplatz und Waterloostr. Beide Sonntags-Linien hielten sich aber nicht lange. Über die Weichenverbindung an der Waterloostr der [St] fuhr über 20 Jahre später dann die [29].

Ab 27.07.1909 ersetzte die [9] die Linie [16]. Diese Liniennummer wurde dann bald für die [T] vergeben, die so in die Reihe der Stammlinien aufrückte.

Ab 14.12.1910 hatte sich statt der [T] die [16] etabliert und die [13] hatte mit der [17] ihr Westende getauscht. So war die [13] aus der Serie der Eimsbüttel-Linien herausgefallen.

(6) Der zunehmende Verkehr machte das Einrichten neuer Linien notwendig. Zuerst (01.02.1912) als [H/R] bezeichnet, verstärkte ab 20.08.1912 die [38] die Linie [17] auf nahezu gleichem Linienweg zwischen Müggenkampstr und Hammer Park - die [17] über Kaiser-Wilhelm-Str und die [38] über Budapester Str.

Die [1] und die [5] tauschten am 01.01.1913 ihre Endstellen. So kam doch noch die [5] mit der [15] am Eimsbütteler Markt zu einer gemeinsamen Kehrschleife.

Der 13.03.1912 brachte mit der vom Neuen Pferdemarkt verlängerten [3] eine weitere Verkehrsbeziehung, nämlich die Verbindung Lappenbergsallee mit dem Schulterblatt (schwarze Linie). 

(7)Auch die [5] nahm ab 21.12.1913 die verlängerte Strecke nach Langenfelde und Eidelstedt an der Apostelkirche vorbei in Angriff. Zur [11] kam die sie verstärkende Linie [36] Eimsbüttler Markt - Lombardsbrücke - Rothenburgsort am 28.04.1914 hinzu.

Dann war es mit dem Frieden vorbei. Die Verkehrseinschränkungen waren allerdings zuerst moderat. Die [15] wurde ab 01.02.1916 bis Dornbusch verkürzt und die Schleife über Sophienallee entfiel. Ab 08.12.1916 fuhr die [38] ab 21:00 Uhr nicht mehr und die [14] endete am Neuen Pferdemarkt, nur noch werktags in der HVZ ließ sie sich an der Osterstr. sehen. 

Von den ursprünglichen Linien [10] bis [16] waren inzwischen zwar einige verschwunden, dafür aber eine Vielzahl anderer Linien hinzu gekommen. 

(8) Was während des Ersten Weltkrieges an Verkehrseinschränkungen noch gering war, wirkte sich dann während der Nachkriegszeit und der Inflation voll aus.

Am 15.05.1920 verschwand Linie [38]. Linie [11] wurde am 17.10.1922 vorübergehend eingestellt. Die [36] fuhr für sie bis Langenfelde.

Der 07.10.1923 sah die Einstellung der [10] und der 16.10.1923 die der [5]. Am 14.11.1923 wurde Linie [9] zur Königstr. in Altona verlagert. Linie [14] fuhr zumeist nur bis Neuer Pferdemarkt und oft nur zur HVZ bis Osterstr.

Dass dann die [12] nicht mehr ihre Sonderstrecke über Lindenallee fuhr, sondern mit den anderen Linien über Schulterblatt, das allerdings kann man durchaus positiv sehen.

So zeigt die Skizze links per 31.12.1923 ein recht ausgedünntes Liniennetz auf dem Eppendorfer Weg. Doch wird zumindest noch jeder der vorhandenen Verkehrsrelationen mit einer Linie bedient.

(9) Nach Überwindung der Inflation kamen sie alle wieder.  Am 12.03.1925 die [5] und die [10] und die [14] fuhr jetzt statt der [9] wenigstens in der HVZ mit der [1] zur Hoheluftchaussee. Am 14.10.1924 gab es auch die [11] wieder und ab 25.05.1925 begleitete die [14] die [1] ganztägig.

Am 27.09.1925 wurde sogar ein kurzes Stück Strecke neu gebaut. Die Linien [10] [16] und [17] fuhren jetzt den Weidenstieg bis zum Eppendorfer Weg entlang, bogen dort nach Osten ein und gelangten über die vorhandenen Weichen für die frühere Linie [13] in die Osterstr. Das Strecke über das Westende der Bismarckstr. wurde eingestellt. Dies war vermutlich schon eine vorbereitende Maßnahme für den Bau der Strecke über die Bundesstr.

(10) Ab 01.11.1926 nahm die [16] jetzt den kürzeren Weg direkt durch die Bundesstr.. Bei der Christuskirche brauchte man jetzt keine Weichen mehr zu stellen, denn die beiden Strecken überkreuzten einander nur, so wie es bis 1907 gewesen war.

Linie [12] wanderte am 14.07.1926 doch wieder auf den alten Weg durch die Lindenallee. Auch als am 01.11.1932 diese Route durch die [3] übernommen wurde, blieb es bei diesem Sonderweg.

Ebenfalls am 01.11.1932 wurde die [36] eingestellt und die verlängerte [33] übernahm deren Arbeit. Die [11] - ja die Pionierlinie für ganz Eimsbüttel - wurde seitdem werktags abends nicht mehr betrieben. So deutete sich ihr langsamer Niedergang in den nächsten Jahren an.

(11) Schon seit Oktober 1936 begannen zu bestimmten Tagszeiten Einschränkungen im Linienangebot. Das betraf sogar die Linie [1].

Dass Linie [3] nun am 27.04.1937 diesmal endgültig zum Schulterblatt wanderte, machte das Verkehrsangebot sicher übersichtlicher. Dieser Tag bedeutete allerdings auch das Aus für die [10]. Auch die [30] ging am 10.05.1938 ein, die verlängerte [29] ersetzte sie teilweise. Doch per 15.05.1939 wurde die Strecke über Bellealliancestr. aufgegeben. In dieser Gegend gab es jetzt schon eine Reihe eingestellter Strecken (dicker grauer Strich) vor den großen Zerstörungen 1943.

Ab 02.09.1939 brauchte die Wehrmacht die Omnibusse, die bisher den Nachtverkehr bedient hatten. Daher kam in den Nächten von Sonnabend auf Sonntag und Sonntag auf Montag die Nachtlinie [P] der Straßenbahn vom Eimsbüttler Markt über Schulterblatt zum Einsatz.

(12) Die erste Eimsbüttler Linie [11] wurde am 10.05.1940 eingestellt. Dafür kam der nächtliche Alsterring mit den Linien [Q] und [R] in Betrieb. Er fuhr hier die Strecke der Tageslinie [3]. Nachtlinie [P] wurde durch [W] ersetzt, die bis Eidelstedt fuhr.

Ab 06.05.1941 und 05.05.1942 gab es weitere tageszeitliche Einstellungen. So pausierte die [3] seit 05.05.1942 von 9:00 bis 12:00 Uhr. Die [5] fuhr werktags abends ab 20:00 Uhr nicht. Dafür bediente die [17] dann das Schulterblatt und Weidenstieg und Weidenallee waren ohne Betrieb. Dort war allerdings ja auch die Hochbahnstation Christuskirche erreichbar.

Am 19.04.1943 stellte die HHA die Nachtlinien ein, dafür wurden die Spätfahrten dann ausgeweitet.

(13) Während Eimsbüttel um die Osterstr herum weniger zerstört war, lag am westlichen Ende des Eppendorfer Weges und zum Schulterblatt hin alles platt. So kam auch nach den Bombardierungen vom Juli 1943 zuerst die [16] und die [33] über Osterstr. am 14.09.1943 wieder in Betrieb. Linie [14] folgte am 03.11.1943. Weitere Zerstörungen und Betriebsunterbrechungen sind an anderer Stelle dieser Web-Seite im Detail aufgeführt (siehe Strecken und Linien * geographisch = Eimsbüttel).

Die ehemalige Strecke der [11] wurde nicht wieder eingerichtet, weil diese Relation durch die Hochbahn-Stationen "Emilienstr" und "Christuskirche" abgedeckt war.

Am 18.03.1946 wurde die lange Linie [33] von Eidelstedt bis Rönneburg geteilt, die [3] übernahm den Nordteil der Linie.

Vom 22.08.1948 an fuhren [3] und [18] "spät" abweichend über Schanzenstr. und St. Pauli. Die [3] machte dies allerdings nur bis 11.10.1948, danach fuhr sie auch spät ihre normale Strecke. Die "späte" [18] wandelte sich am 01.11.1950 zur Nachtlinie und auch die [3] verkehrte seitdem die Nacht hindurch über Bundesstr.

(14) Am 01.05.1951 kam wieder Leben in Fruchtallee und Schulterblatt. Die erneut verlängerte [33] befuhr diese Route. Am 05.05.1953 wurde sie von der [13] ersetzt, die den Nordteil der [33] übernahm. Ab 17.05.1955 wurde die [13] dann von der Linie [5] abgelöst, die ja von 1905 bis 1943 auf dieser Strecke bereits bekannt war.

Ebenfalls am 17.05.1955 kam die Linie [15] über die Gärtnerstr ca. 12 Jahre nach Zerstörung der Strecke dort wieder in Betrieb.

Der 29.10.1957 reorganisierte den Nachtbetrieb. Die Strecke der [18] wurde von der [15] übernommen, die nachts dann aber nicht wie am Tage über Gärtnerstr. fuhr, sondern wie bisher die [18] auch nachts über die Bismarckstr. und Schulterblatt wie Anfang der 1940-er Jahre die Nachtlinien [Q] und [R] (dünner brauner Strich).

(15) Am 06.05.1958 wurde die Linie [5] "umgeleitet" über die Osterstr. Doch zur Fruchtallee und Lappenbergsallee kam diese Linie nicht wieder zurück, sie wurde am 31.12.1959 eingestellt.

Auch die [14] bekam ab 01.01.1960 eine neue Route. Sie fuhr jetzt von der Bismarckstr. über Eppendorfer Weg bis zur Eimsbütteler Chaussee und über Schulterblatt als Ersatz der [5]. Weidenstieg und Weidenallee waren dafür jetzt straßenbahnlos. Ersatz war die Hochbahnstation "Christuskirche".

Ab 10.05.1966 wurde der Schulweg für die [15] gesperrt. Über zwei neue Weichen bog sie ein Stück in die Osterstr, um den Eppendorfer Weg zu erreichen. Ab 22.05.1966 endete Linie [14] dann werktags abends und sonnabends ab 15:00 Uhr bereits am Lattenkamp, sonntags kam sie nur von 12:00 bis 17:00 nach Eimsbüttel.

Die Linien [3] und [16] fasste die HHA ab 02.01.1967 zu einer Linie [3] zusammen. Weitere Einschränkung ab 24.09.1967: Linie [14] fuhr mit der [15] über Gärtnerstr, so dass die Strecke Bismarckstr. still lag. Ab 27.09.1970 war dann auch die Gärtnerstr, der Eppendorfer Weg und Schulterblatt ohne Betrieb.

Bis zum 03.06.1973 hielt sich noch Linie [3]. Dann endete der Straßenbahnbetrieb in Eimsbüttel.