Straßenbahnlinien am Knotenpunkt Mühlenkamp

 Winterhude kam am 07.06.1880 zu seiner ersten Pferdebahn - dem Alsterring. Später war dies die Linie [18]. Erbauer der Bahn war die SEG. die Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft. Dies war die erste von dieser Gesellschaft eröffnete Linie, die bis 1920 in Hamburg die führende Straßenbahn-Gesellschaft war, bevor die HHA sie übernahm. Bis 1919 lief die Linie (rot eingezeichnet) nicht über Mühlenkamp, sondern über Poelchaukamp (damals Langer Kamp) und Dorotheenstr.

Schon am 14.07.1880 kam eine weitere Linie dazu - die Strecke nach Ohlsdorf. Sie wurde stündlich bedient, an 13.08.1880 in den "geraden" Stunden über die neue Strecke über Eppendorf und in den "ungeraden" über Mühlenkamp und Hofweg. 

Ab 02.08.1881 wurde auch über den Mittelweg eine Straßenbahn geleitet (spätere Linie [19] - hier violett eingetragen). Der Verkehr wurde jetzt so abgewickelt, dass der Alsterring über Mittelweg gezogen wurde und die Eppendorfer Strecke von Norden kommend an der Cäcilienstr. endete. Das ging aber nur bis 01.05.1882. Dann fuhren die Eppendorfer Wagen wieder den Alsterring und die Mittelweg-Linie endete Cäcilienstr. Dafür fuhren ab dann die Ohlsdorfer Wagen nicht mehr über Rothenbaumchaussee, sondern abwechselnd über Mittelweg oder Hofweg

Etwa ein Jahr später, ab 04.08.1883 endeten auch die Ohlsdorfer Wagen an der Cäcilienstr, fuhren also nicht mehr bis in die Stadt durch. Mit der durchlaufenden späteren [18] und den an der Cäcilienstr. endenden späteren [19] und [28] blieb es dann einige Jahre. Auch die Elektrifizierung der [18] ab Cädilienstr über Hofweg am 20.02.1895 änderte nichts daran. 

Am 12.05.1895 war der Alsterring [18] vollständig elektrifiziert. Am 23.10.1895 folgte auch die Mittelweg-Linie, die spätere [19]. Ab 28.03.1896 endete die Ohlsdorfer Linie dann aber bereits am Winterhuder Markt, obwohl auch sie seitdem elektrisch fuhr.

Auf der Hofweg-Strecke wurde die [18] bereits von einer Zwischenlinie bis Cäcilienstr. verstärkt, die ein auf der Spitze stehendes Dreieck mit einem "U" (für Uhlenhorst) als Dachzeichen hatte. Diese Linie und die Mittelweglinie wurden ab 03.09.1900 unter der Liniennummer [19] als kleiner Alsterring zusammen gefaßt, während der "große" Alstering über Eppendorf die Liniennummer [18] erhielt.

Zwischenzeitlich war die [28] ab 19.10.1905 doch wieder über Mittelweg in die Innenstadt verlängert worden.

Bis zum 01.11.1906 änderte sich nichts am Mühlenkamp. Da inzwischen in der Mühlenkamp-Gegend aber vierstöckige Mietshäuser hochgezogen waren, kam dann eine Verstärkerlinie [U] dazu. Um den Durchgangsverkehr in der Dorotheenstr. nicht zu stören, legte man ein kurzes Stück Gleis im Mühlenkamp, wo die [U] enden konnte. Am 17.02.1908 wurde Linie [U] wieder eingestellt, aber die Verstärkung schien doch notwendig. So wurde am 20.12.1908 die Linie [15] statt der [U] zum Mühlenkamp verlängert.

Ab 01.10.1909 startete zusätzlich eine ganz neue Linie ab Mühlenkamp, die [35]. Sie fuhr über Winterhuder Weg, Mundsburg, Berliner Tor, Veddel zum Freihafen.

Ab 23.10.1910 verlängerte die SEG ihre Linie [15] mittwochs und sonntags nachmittags zu den Besuchszeiten auf dem Wege der Linie [18] über Eppendorfer Markt zum Eppendorfer Krankenhaus.

Ab 01.101913 übernahm Linie [25] den Job der [15] zum Mühlenkamp. Auch die Bedienung des Eppendorfer Krankenhauses an Besuchstagen machte die [25] weiter. Das ging so bis 15.02.1918. Von dann an mussten [18] und [19] wieder allein den Service über Hofweg übernehmen.

Dafür wurde ab 31.03.1918 Linie [35] "zeitweise" über Winterhuder Markt auf der Trasse der [28] bis Ohlsdorf verlängert.

Der 16.12.1919 sah das Ende der Kurverei über Poelchaukamp. Die Hauptstrecke lief jetzt über den Mühlenkamp  und Possmoorweg. Die [35] erhielt eine Kehrschleife am Goldbekplatz. Vermutlich endete seitdem ihr Verstärkerbetrieb nach Ohlsdorf.

Linie [23] wurde ab 18.09.1922 von der Alsterchaussee über Mittelweg, Maria-Louisen-Str, Mühlenkamp, Winterhuder Weg nach Hamm verlängert. Ursprünglich sollte diese Verbindung kürzer über einen Alstertunnel im Zuge Alsterchaussee - Karlstr laufen, ersatzweise über Krugkoppelbrücke - Gellertstr - Poelchaukamp, aber man leitete die Linie erst einmal auf den vorhandenen Schienenwegen nördlich um die Außenalster.

Zwar wurde dieser Teil der [23] am 09.11.1923 inflationsbedingt zeitweilig eingestellt, doch kam sie am 17.01.1924 wieder in Betrieb. Die [28] fuhr allerdings ab 17.10.1922 nur noch Cäcilienstr - Ohlsdorf , ab 07.09.1923 überhaupt nicht, ab 14.02.1924 teilweise und erst ab 01.04.1924 wieder regelmäßig ihre ganze Strecke  

Hin und wieder ließ man statt die [18] zu verstärken eine weitere Linie über den Hofweg fahren, so ab 12.03.1924 erneut zu bestimmten Zeiten die Linie [15].

Ab 14.12.1924 löste Linie [27] die [23] auf dem Halbring nach Hamm ab. Diese Linienführung bleib stabil bis Juli 1943.

Am 26.05.1925 kamen viele Linienänderungen beim Fahrplanwechsel in Betrieb. Die [15] steuerte ein anderes Ziel an und die [19] bediente nicht mehr den kleinen Alsterring, sondern endete bereits an der Cäcilienstr, war also nur noch Verstärker der Linie [28] über Mittelweg. Da hätte sich doch angeboten, jetzt die durchgehende Linie [19] zu nennen. Die [19] wurde aber am 01.04.1926 ganz eingestellt.

Etwas über ein Jahr nach Einschränkung des Linienangebotes kam ab 01.11.1926 über Hofweg wieder einmal die hier schon von früher bekannte [25] zur Verstärkung. Sie endete aber nicht am Goldbekplatz wie die Linie [35], sondern fuhr sogar bis zur Cäcilienstr.

Als die Straßenbahnstrecke zum Flughafen eröffnet wurde, bediente dort nur eine Pendellinie [Fl]. Am Sonntagnachmittag wurde aber ab 15.07.1928 die Linie [35] zur durchgehenden Bedienung bis zum Flughafen verlängert.

Obwohl ab 01.11.1932 die Linie [25] wieder vom Mühlenkamp verschwand, blieb der Winterhuder Straßenbahnbetrieb ziemlich stabil. Bis zum Juli 1943 zogen die [18], [28] und [35] ihre gewohnten Wege.

Vom 16.10.1933 bis 20.10.1936 wurde der Betrieb zum Flughafen auch sonntags von Linie [20] wahrgenommen, die die Linie [Fl] ersetzt hatte. Die [35] endete während dessen vermutlich auch am Sonntagnachmittag am Goldbekplatz, fuhr danach aber bis 02.09.1939 wieder nachmittags am Sonntag zum Flughafen.

Weil während des zweiten Weltkrieges viele Omnibusse für die Wehrmacht benötigt wurden, übernahm die Straßenbahn auch den Nachtverkehr. So fuhren ab 10.05.1940 die Linien [Q] mit der Uhr und [R] gegen die Uhr einen erweiterten Alsterring über Bismarkstr - Schulterblatt - Reeperbahn und Steinwege statt wie die [18] über Rothenbaumchaussee. Ab November 1942 kam auch auf der Route der Linie [27] ein Spätverkehr zuwege, der das Signal [Y] erhielt. Dieser Nachtservice endete am 19.04.1943 und wurde durch einen verstärkten Spatservice mehrerer Linien ersetzt.

Während der Zerstörungen im Juli 1943 fuhr bis 28.07.1943 die Linie [28] noch von der Cäcilienstr. nach Ohlsdorf und zum Flughafen. Dann stellte auch diese Linie ihren Betrieb ein.

Ab 03.08.1943 fuhr ein Bus ab Cäcilienstr den Hofweg statt der [18]. Die erste Straßenbahn in dieser Gegend war dann die [28] von der Cäcilienstr über Mittelweg und Lombardsbrücke zum Hauptbahnhof. Erst ab 19.10.1943 konnte die [18] ihren Ring wieder über Hofweg befahren und die [28] übernahm die schon vorher durch die [18] bediente Flughafen-Strecke. Auch die [35] kam ab 20.12.1943 wieder in Betrieb.

Hin und wieder musste die [18] wegen Zerstörungen über Winterhuder Weg,  Mundsburg und Kuhmühle umgeleitet werden und nur ein Pendelwegen bediente dann den Hofweg.

Nach Kriegsende blieb es bei den Linien [18], [28] und [35]. Die [27] endete nach Juli 1943 schon an der Alsterchaussee. Die Verbindung von Winterhude nach Hamm erschien einige Jahre entbehrlich, da gerade Hamm ja großflächig zerstört worden war.

Am 01.08.1948 wurde die [28], die seit 1905 den Mittelweg bediente, durch die Linie [9] ersetzt. Bei dieser Konstellation blieb es bis 1954. Ab 01.11.1950 fuhr die [18] aber auch nachts wieder einen Alsterring über St. Pauli, diesmal über Schanzenstr. statt Schulterblatt.

 

Am 04.05.1954 wurde der Alstering der [18] zwischen Eppendorf und Winterhude aufgebrochen, er bediente nur von Eppendorf aus Gr. Borstel und endete auf der Winterhuder Seite am Lattenkamp. Linie [14] fuhr statt nach Gr. Borstel jetzt vom Eppendorfer Marktplatz aus weiter über Winterhuder Markt und übernahm dann die Strecke der Linie [35] zum Freihafen.

Zusätzlich kam eine neue Linie [15] in Betrieb - hier um 1910 schon bekannt - die vorerst an der Tarpenbekstr. endete (in Schwachlastzeiten sogar am Goldbekplatz) und über Lerchenfeld - Landwehr - Burgstr jetzt wieder Hamm erreichte. Ab 17.05.1955 wurde diese Linie dann wieder in Richtung Altona verlängert, so dass die [15] eine ähnliche Halbringlinie bildete wie vor dem Juli 1943 die [27], aber auf ihrem Weg nördlicher und statt über Harvestehude eben über Eppendorf.

Ab 29.10.1957 übernahm die [15] dann nachts den westlichen Teil des erweiterten Alsterrings der [18] und fuhr so von St. Pauli über Eppendorf nach Hamm. Die [18] war dafür nachts über Hofweg bis zum Flughafen unterwegs.

Ab 14.06.1957 kehrte in der Hauptverkehrszeit zusätzlich die dann von Berliner Tor aus verlängerte [19] am Goldbekplatz.

Am 02.10.1960 verschwand nach 80 Jahren der Alsterring, die [18]. Die [18] endete am Goldbekplatz und die in Wandsbek jetzt entbehrliche [3] fuhr bis Lattenkamp, nachts sogar bis Flughafen. Sonntags bediente allein die [3], die [18] endete dann schon von der Rothenbaumchaussee kommend am Rathausmarkt. Ab 08.05.1961 fuhr die [18] auch werktags und sonnabends abends nicht mehr am Hofweg.

Am 10.04.1963 verschwand die [18] ganz. Die [16] ersetzte die [3] zum Lattenkamp, die [3] endete tagsüber am Goldbekplatz, fuhr aber dafür nachts nach wie vor zum Flughafen. Die [19] tauchte ab diesem Datum nicht mehr am Goldbekplatz auf, sie endete seitdem wieder in Hohenfelde.

Somit zeigt die Graphik links den Stand zum Jahresende 1966. Ab 02.01.1967 wurden die [3] und die [16] zu einer Linie zusammengefasst, die Lattenkamp endete. Nachts übernahm jetzt die [2] den Service über Hofweg zum Flughafen.

Ab 24.09.1967 wurde der Betrieb auf der [14] eingeschränkt, Montags bis freitags abends, sonnabends ab nachmittag und sonntags außer am Nachmittag startete sie wie früher die [35] vom Goldbekplatz zur Veddel. Ab 27.09.1970 startetet die [14] dann generell ab Lattenkamp zur Veddel.

Am 30.05.1970 wurde übrigens der Nachtbetrieb der Straßenbahn eingestellt, Busse übernahmen diesen Service.

Ab 03.06.1973 verstärkte noch die [1] bis Goldbekplatz die [3] auf der Hofweg-Strecke, bis beide Linien am 28.09.1974 zur [1] zusammen gelegt wurden. Linie [9] wurde am 25.05.1974 eingestellt, die [15] am 07.03.1976 und die [1] und [14] als vorletzte Hamburger Straßenbahnlinien am 22.05.1977

Horst Buchholz * 05.09.2008 bis 09.09.2008
(Linienskizzen Verfasser)