Monatslänge und Kalender

Die beiden Grunddaten jeder Naturbeobachtung am Sternenhimmel ist die Länge des Monats (von Phase zu Phase) mit durchschnittlich 29,5306 Tagen und die Länge des Jahres, die zu ermitteln nicht so einfach ist, so dass Julius Cäsar für seinen Kalender noch 365,25 Tage annahm. Erst Papst Gregor ließ bekanntlich 1582 die 10 Tage ausfallen, die Sonnenlauf und Kalender wieder miteinander in das Reine brachten. Heute nimmt man den Jahreswert mit 365,2422 Tagen an. Die Periode des Mondes kann aufgrund seiner komplizierten Bahn um Sonne und Erde allerdings um mehrere Stunden vom Ideal abweichen, was ihn als Zeitmesser nicht unbedingt vertrauenswürdig macht. 

Auffälligstes Objekt am Himmel neben Sonne und Mond ist der Planet Venus. Unabhängig von seiner realen Bahn um die Sonne kommt in Kombination mit der Erdbahn ein Beobachtungszyklus dieses Planeten von der Erde aus gesehen zustande, der eine Periode von 2.921,6 Tagen ausmacht, der ziemlich genau 8 Jahre (2.921,9376 Tage) bzw. 99 Monate (2.923,5294 Tage) umfasst.

Soweit die einfachen Fakten, die vermutlich schon die geschulten Beobachter der Jungsteinzeit oder Bronzeit in solchen Anlagen wie Stonehenge oder Goseck (bei Nebra, Sachsen-Anhalt) oder in Ägypten und Mesopotamien ermittelt haben. Vielleicht sind derartige Abhängigkeiten und Bewegungsrhythmen der Gestirne auch Grundlage der Muster der geheimnisvollen Goldhüte, der Nebraer Himmelsscheibe oder des Diskus von Phaistos. Doch bleiben derartig weitreichende Folgerungen natürlich Spekulation.

Exkurs über eine weitere Spekulation: Wenn man annimmt, dass der Kalender zu Zeiten Cäsars korrekt gegangen wäre, hätte Papst Gregor eigentlich 12,7 statt 10 Tage auslassen müssen, damit der Kalender wieder - so wie er es seit 1582 ja tatsächlich tut - mit den Jahreszeiten einigermaßen im Einklang ist. Daraus folgern esoterische Geschichtsbetrachter, dass dann wohl 297 Jahre nicht existierten, sondern von verbrecherischen Mönchen einfach erfunden wurden. Dabei werden die Schwierigkeiten der exakten Zeitmessung in der Antike mit einfachen "Bordmitteln" unterschätzt. Hierzu möchte ich mich nicht weiter auslassen, zumal es darüber im Internet reichhaltige Gegenbeweise gibt. Wir müssen das Mittelalter von 614 bis 911 n. Chr. wohl behalten - und auch eine Menge "junk-science" ertragen.  

Unübersehbare Signale wie Sonne und Mond bieten sich an, den Ablauf der Zeit zu strukturieren. Während die Sonne in unmittelbarer Anschauung den Tag bestimmt (das Jahr ist zuerst eher abstrakt), kann der Monat ohne jedes Hilfsmittel schon dem bloßen Auge als Zeitmesser dienen. Er ist verschwunden und eines Tages taucht die neue schmale Sichel auf. Dann beginnt der neue "Monat". Das ist so klar und evident, dass manche Kulturen noch heute ihre Zeitmessung daran ausrichten. Die Erfahrung zeigt bald, dass dieser Monat meist 29 oder 30 Tage dauert. So wird ein Stück Zeit abgegrenzt, das jeder unbeeinflusst kontrollieren kann. Der Mond braucht eigentlich keine Priester. Die Athener der Antike rechneten den Monat abwechselnd "hohl" mit 29 Tagen oder "voll" mit 30 Tagen. Doch stoße ich mit dieser einfachen Handhabung irgendwann auf eine Differenz, weil es eben nicht genau 29,5 Tage sind.

Für die Menschen, die sich damals hauptsächlich durch Landwirtschaft ernährten, kommt auch die wiederkehrende Abfolge der Jahreszeiten zum Tragen. Wenn auch das Einschätzen der Jahreszeit am Wetter nur einen groben Anhaltspunkt für die Wiederholung des Jahres sein kann, so ist doch früh auffällig geworden, dass zu bestimmten Jahrezeiten am Nachthimmel auch bestimmte Sternbilder sichtbar sind. Diese Veränderung der sichtbaren Sterne kehrt zwar jedes Jahr zuverlässig wieder, ist aber nur schwer mit bestimmten Tagen zu koppeln, wenn man keine genau gehende Uhren hat. Von Tag zu Tag entsteht hier eine Differenz von vier Minuten von Sonnentag zu Sterntag, die mit einfachen Mitteln nur schwer zu messen ist, wenn kein fixer Bezugspunkt gegeben ist. Dennoch gelang es im Laufe der Jahrhunderte, sich auf einen Wert um 360 oder 365 Tagen für die Jahreslänge zu einigen. Stonehenge z. B. diente ja diesen ernsthaften Zwecken.

So hat der Wert von 360 Tagen zwar den Nachteil, dass er für die Bestimmung der Jahreslänge zu ungenau ist, aber den Vorteil, dass man gut mit ihm rechnen kann. Daher teilte man den Himmelskreis in 360 Tage (360 °) und versuchte sich sodann an der bis heute ungelösten Aufgabe, die Monate mit dem Jahr zu korrelieren. Zunächst teilte man den Bereich in 12 Teile in der Hoffnung, 12 Monate ergäben ein Jahr. Wie wir wissen, umfassen 12 Monate aber nur 354,3672 Tage und daher wandert z. B. der Monat Ramadan des mohamedanischen Kalenders in ca. 32 Jahren einmal durch die Jahreszeiten, weil man in dieser Kultur ein Jahr zu glatt 12 Monaten annimmt. Nach kurzer Zeit stellt sich allerdings heraus, dass elf Tage fehlen und die Feste so in 33 Jahren einmal durch den Jahreskreis wandern.

Kluge Köpfe kamen auf den Trick, hin und wieder ein Jahr mit 13 Monaten laufen zu lasen, um bestimmte Monate und damit verbundene Feste auch in der passenden Jahreszeit zu feiern. So kannten viele Kalender der Antike diese Regelung, die auch der jüdische Kalender hat. Bei den Römern wurde die Einschaltung von Monaten bald zu einem Mittel des politischen Kampfes, so dass zur Zeit Cäsars der Kalender um mehrere Monate von den zugehörigen Jahreszeiten abgewichen sein soll.

Noch klügere Köpfe kamen auf eine Periode von 8 Jahren oder 99 Monaten, nach denen sich die Ereignisse wiederholen (mit einer Differenz von 1,5 Tagen). Diese 2.921,9376 Tage der Sonnenjahre entsprechen außerdem den 2.921,6 Tagen einer "Venusperiode" so genau, dass vorzeitliche Astronomen wohl annehmen mussten, dass die Götter hier einen deutlichen Fingerzeig für ein "großes" Jahr gegeben hatten. Forscher nehmen an, dass dieser Achtjahreszeitraum schon länger bekannt war und in zwei Hälften geteilt Grundlage der alle vier Jahre gefeierten olympischen Spiele sein könnte.

Später stellte der athenische Astronom Meton um 400 v. Chr. scharfsinnige Überlegungen über die Verteilung von "hohlen" und "vollen" Monaten und Schaltmonaten an, um einen Kalender vorzuschlagen, der zumindest ausreichende Übereinstimmung von Monat und Jahr in einem Zeitraum von 19 Jahren bei 235 Monaten brachte. Dafür musste er sich dann in den Komödien des Aristophanes als Projektmacher verspotten lassen. Doch hatte Metons Zyklus nur noch eine Differenz von 0,0892 Tagen aufzuweisen, so dass erst in etwa 12 Jahren ein Tag als Differenz zu berücksichtigen wäre. Seine Ideen wurden aber in der Antike nicht praktisch umgesetzt.

Einen weiteren ziemlich genauen Versuch, den Kalender zu harmonisieren stellte der persische Dichter und Gelehrte Omar Khayyam (1048 - 1131) mit einer langperiodischen und sehr genauen Regelung von 33 Jahren mit 8 Schaltjahren auf, die die Jahreslänge auf schon ziemlich genaue 365,2424 Tage festlegte (statt 365,2422). Auch sein Vorschlag wurde nicht realisiert.

Cäsar war offensichtlich Mann der Tat und bevorzugte überschaubare Lösungen,. Er lernte von den Ägyptern. Diese kümmerten sich nicht um die Monate, sondern hielten sich an das nackte Jahr, das sie zuletzt mit 365,25 Tagen annahmen. So ist der Kalender, den wir abgesehen von der Korrektur des Papstes im Jahre 1582 auch heute noch verwenden, ein einfach in zwölf handliche Teile geteiltes Jahr, dessen Abschnitte zwar immer noch Monat genannt werden, die aber mit dem tatsächlichen Lauf des Mondes rein gar nichts mehr zu tun haben. 

Seitdem aber die römische Welt christlich wurde und im Anschluss daran die europäische Zivilisation, spielt doch der Mond wieder bei der Zeitrechnung mit. Grund ist das jüdische Passah-Fest, vor dem Jesus gekreuzigt wurde und das bei den Christen als Ostern gefeiert wird. Die Regel lautet, dass dieses Fest auf den ersten Sonntag fällt, der dem ersten Vollmond folgt, der nach dem Frühlingsanfang erscheint. Hiermit wird die jüdische Regelung übernommen, dass Passah der 15. des Monats Nisan ist, dessen Lage seinerseits im jüdischen Kalender komplizierten Regeln unterliegt. (Wer es genau wissen will findet ausführliche Informationen bei www.ortelius.de).

Die Berechnung des richtigen Osterdatums beschäftigte Jahrhunderte lang viele kluge Köpfe. Dabei ist die Sache doch einfach - sollte nicht das christliche Osterfest eben dann sein, wenn die Juden ihr Passah feiern? Warum dann überhaupt eine christliche Sonderregelung? Zwar werden auch heute noch Kalender entworfen, die diese Frage ein für alle mal zu regeln hoffen. Das ist eigentlich der falsche Ansatz, denn etwas Irrationales wie die Auferstehung von den Toten darf ruhig ein Ereignis sein, über dessen auch zeitliche Einordnung man etwas Geheimnisvolles breiten kann. Frage zehn Christen, wann Ostern ist und nur drei können es Dir sagen.

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