2022 - U5, Segen und Fluch der Vorleistungen

In den letzten Jahren haben wir das Phänomen, dass quasi spontan U-Bahnlinien gebaut werden, die zuvor nicht in den Planungen auftauchten (wie z.B. die U4 zur Hafen-City oder der Abzweig der U2 zur Horner Geest), dass aber auf der anderen Seite lange geplante Relationen noch nicht realisiert wurden. Ein genialer Wurf, die neue U5, soll nun alle Probleme lösen. Er umfaßt eine Verbindung der "alten" U4-Ost mit der Siemersplatz-Linie und schließt als Beipack sogar Bramfeld an.

Nun mag man ja über die langgezogene Kurve der U4 ohne irgendeine Zwischenhaltestelle mitten in der Stadt bei über 3,5 km Länge zur Hafen-City immmer noch verwundert den Kopf schütteln - dieser Tunnel ist aber ja nun mal da und unter dem Schlick der Elbe verbuddelt. Und diese U4 hat die beiden äußeren Bahnsteigkanten der U2-Station Jungfernstieg in Anspruch genommen, die für die U4-West vorgesehen waren. Eine "Vorleistung", die da so herumlag und die man dann doch - nicht wahr? - dann für die Linie zur Hafen-City nutzen könnte, wenn es an der Mönckebergstraße eben ein paar Probleme mit den Geschäftsleuten gab.

Das östliches Ende der U4 ist ein wenig hilflos und unmotiviert in Richtung Billstedt angebunden - aber da ist ja bald Horner Geest die Lösung. Gibt allerdings Stimmen, die die U4 zur Hafencity lieber mit der neuen U5 durch Uhlenhorst und Winterhude verbinden wollen, damit eine schöne Nord-Süd-Linie entsteht und der Riesenbogen mit der Karusselfahrt durch die Neustadt irgendwie sinnvoll angebunden ist.

Auch Sengelmannstraße hat zwei seit Jahrenden brach liegende Bahnsteigkanten. Zum südlichen Ende hin waren sie stets für die lang geplante U4-Ost "alt" vorgesehen. Nach Norden sollte dann auch diese Linie über Ohlsdorf weiter fahren um - so der Gedanke - dadurch die U1 soweit zu entlasten, dass bei Stephansplatz die Strecke zur Hoheluftchaussee dort betrieblich sauber aufmünden konnte. Diesen damaligen Gedanken weiter gedacht wäre also auf den Gleisen der "alten" U4 am Hauptbahnhof-Nord und Jungfernstieg nicht nur der Verkehr der U4 "alt" selbst angekommen, sondern auch noch ein größerer Teil der Fahrgäste der U1. Irgendwo hin nach Westen wären die Züge also zu leiten gewesen.

Aber nun bieten sich eben die da bisher brach liegenden Bahnsteigkanten der Sengelmannstr. für eine neue ad hoc-Idee an: Hier könnte doch "auf kurzem Wege" endlich Bramfeld angeschlossen werden. Macht ja nichts, dass erneut wie bei der U2 bei der Sternschanze bei Rübenkamp ein S-Bahn Anschluss vermieden wird. Damit ist die Chance vespielt mit dieser Linie auch den dicht besiedelten Süden von Barmbek-Nord besser anzubinden, wie es die bisherigen Plane vorgesehen hatten.



Hafen-City und Horner Geest - die Überraschungseier

Auch der Flächennutzungsplan in der Fortscheibung (März 2022) bietet das bisher Bekannte. Vom Dammtorbahnhof aus ist eine Strecke über Grindelallee, Grindelberg und Hoheluftchaussee eingezeichnet, die am Siemersplatz endet. Von den Elbbrücken aus südlich ist dort nichts eingetragen, wiewohl schon ein geplnter Bahnhof Grasbrook vorgestellt wird. Und wir haben immer noch so etwas wie die U4-West "alt" - nämlich eine Strecke Jungfernstieg (U2/U4-Station) - Großneumarkt - Millerntor und über Paul Roosen-Str etwas nördlich der Reeperbahn nach Altona. Von dort weiter in einem Bogen durch Ottensen mit einer Haltestelle bei der Gr. Brunnenstr. Die S-Bahn wird an der Daimlerstr. gekreuzt (ohne gemeinsame Haltestelle) und ab der Valparaisostr. folgt die Linie der Bahrenfelder Chaussee nach Westen in Richtung Lurup und Osdorf.

Den Alsterhalbring finden wir nicht mehr auf dem Flächenutzungsplan - wohl aber bereits die neueste Version der Verbindung nach Bramfeld. Es geht nicht mehr von Dehnhaide abzweigend über den Bhf. Barmbek und die Linie zweigt auch nicht von der Kurve der Walddörferbahn ab nach Norden, sondern jetzt ist Sengelmannstraße der Ausgangspunkt und wir haben diese drei der Öffentlichkeit dargestellten Stationen an der Fuhlsbüttler Straße, lediglich im Zentrum von Steilshoop und dann wieder erst beim Dorfplatz in Bramfeld. Auf dem Plan geht dann diese Linie weiter wie bisher in Linie der Staße "Am Stühm" in Richtung Sasel-Süd.

Bemerkenswert ist das westliche Ende der Station Jungfernstieg der U2/U4. Hier verlassen nach dem Plan gleich drei Linien die Haltestelle nach Westen - die U2 nach Eimsbüttel, die U4 zu den Elbbrücken und die geplante bisherige U4-West nach Altona und Lurup. Wäre also mit zwei Bahnsteigkanten je Richtung mit viel Weichenstellerei verbunden. Und bemerkenswert ist weiterhin, dass die neue U5 von Winterhude auf dem Plan nicht mit der Siemersplatz-Linie verbunden ist, sondern offenbar als U4-West "alt" nach Westen laufen soll. Scheint aber nicht mehr aktuell in dieser Form zu sein, ist aber noch nicht geändert..


Nun bringt ja priinzipiell der Bau der geplanten U5 Hamburg durchaus weiter voran. Nachdem in der inneren Stadt - abgesehen vom Stummel zu den Elbbrücken - seit etwa 50 Jahren keine neue U-Bahnlinie mehr gebaut wurde ist es doch ein ermutigendes Zeichen, wieder mehr für den schnellen Nahverkehr zu tun.