1950 - Bericht Hamburger Abendblatt

Am Sonnabend, den 04.02.1950 auf Seite 30 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt unter dem Titel "Aus der Schublade der Hochbahn" einen "Insider"-Bericht über aktuelle U-Bahn-Planungen. Dankenswerterweise hat ja das Hamburger Abendblatt sein Archiv in letzter Zeit online abrufbar gemacht.

Hier ist die Original Abendblatt - Graphik aus der Zeitung vom 4. Februar 1950:

Gegenüber den Planungen von 1947 hatte man weiter ausgegriffen. Der Eimsbüttler Zweig zum Hellkamp sollte nicht nur bis Stellingen, sondern über Niendorf bis Schnelsen verlängert werden. Hier kommt zuerst die Idee zutage, sich für den Anschluss Niendorfs eine Strecke über Grindelallee und Hoheluftchaussee zu sparen. Offensichtlich sollte diese als [B] bezeichnete Linie dann über Meßberg und Hauptbahnhof(-Süd) weiter nach Billstedt und Billbrook laufen.

Der Anschluss der Wandsbeker Linie an die Walddörfer-Strecke (hier als [E] bezeichnet) wurde jetzt erst bei Trabrennbahn vorgesehen. Durch die City war nach der Zeichnung wie schon 1937 eine Führung über Alstertor und Mönckebergstr vorgesehen.

Das Ende der Langenhorner Strecke (hier die [C]-Linie) in der Innenstadt bleibt bei diesem Plan etwas im Dunkeln - offenbar sollte sie dort enden.

Der Alsterring (siehe [G]) sollte durch Hammerbrook wieder an die Freihafenlinie angeschlossen werden (der Bahnhof "Brückenstr" wäre so reaktiviert worden). Die Strecke [F] am Hafenrand über Königstr und die neue Ost-West-Str. kommt neu in das Spiel mit einer am Meßberg geplanten 4-gleisigen Haltestelle (die für die jetzige U1 aber nur 2-gleisig gebaut wurde). Am Elbufer war eine Route bis Teufelsbrück vorgesehen. Würde sie oberirdisch verlaufen, hätte man einen schönen Blick auf die Elbe. Ob ihr Verkehrspotential allerdings diesen ästhetischen Luxus gerechtfertigt hätte?

Die Bahrenfelder und Billstedter Strecken sollten weiter in die Vororte ausgreifen, die Bahrenfelder bis Lurup und die Billstedter bis Billbrook. Ein Anschluss von Winterhude und Uhlenhorst im Zuge etwa des Hofwegs war nicht vorgesehen und die Grindelstrecke hatte man ja bewußt durch die Verlängerung der Hellkamp-Strecke vermieden.

400 Millionen DM für die Strecken und 150 Millionen für 750 U-Bahnwagen zu je 200.000 DM - das sind heutzutage Traumpreise, aber damals natürlich entsprechend viel Geld. Außerdem sollte die "alte Ringlinie" zwischen Adolphsplatz und Baumwall umgebaut werden, nämlich in der von K. Gutschow geplanten gestreckteren Führung mit Abtauchen der Strecke schon gleich hinter Baumwall, um die enge und steile Rödingsmarkt-Kurve zu ersetzen.

In diesem Bericht wird auch Bezug auf einen Plan genommen, das Hamburger Straßenbahnnetz um ungefähr 100 km zu erweitern, aber hierzu wurde leider weiteres nicht geschrieben (siehe in diesem Zusammenhang diesen Zeitungsausschnitt bisher unbekannter Herkunft).